KRITIK

letzte Zug, Der

letzte Zug, Der Die Deutsche Bahn unter Hartmut Mehdorn weigert sich, auf deutschen Bahnhöfen eine geplante Ausstellung über die Beteiligung der Reichsbahn an Deportationen von Juden zu zeigen – lieber präsentiert sie zweifelhafte Filme wie diesen hier. Die Artur-Brauner-Produktion erzählt von der allerletzten Deportation Berliner Juden, die 1943 von Gleis 17 in Grunewald direkt nach Auschwitz führte. Starker Tobak.

Unglücklicherweise führte Joseph Vilsmaier, der seit seinem „Marlene“-Flop glücklose Oberflächenbebilderer aus München, zusammen mit seiner Frau Dana Vávrová die Regie. Das ging nicht gut.
Sie begleiten die Waggon-Insassen durchs reine Grauen, und einziges Ziel ihrer Inszenierung schien es gewesen zu sein, das Publikum zum Ausruf „Wie schrecklich!“ zu bewegen – das Minimalziel jedes Holocaustdramas.

Die SS-Schergen sind selbstverständlich abgrundtief dämonisch, die Deportierten (darunter Gedeon Burkhard und Sibel Kekilli) stehen dagegen prototypisch für Schwache, Mutige, Edle oder Opportune. Dazu kommt viel ärgerlicher Rückblenden-Kitsch und die bange Frage, ob es den Insassen gelingt, rechtzeitig ein Fluchtloch in den Waggonboden zu hauen. Ein Shoah-Stoff als Kolportage-Schnulze? Das darf nicht wahr sein.



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INHALT

Deutschland, 1943. Etliche Juden werden aus Berlin am Grunewalder Bahnhof zusammengetrieben, um sie ins KZ Auschwitz zu bringen. In einem Waggon werden u.a. ein Doktor mit seiner Familie, ein junges Liebespaar, ein Boxer mit seiner Frau und seinen beiden Kindern gepfercht. Hunger, Durst, Kälte und die Enge machen die Fahrt zur Hölle. Nur zwei Menschen werden den Transport überleben und ihre Erinnerung weitergeben können.
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