KRITIK

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letzte schöne Herbsttag, Der Können Männer und Frauen Freunde sein? Mit dieser provokativen wie tiefgreifenden Frage als Grundlage hatte Norah Ephron in den späten 80ern einen tollen Drehbuchentwurf verfasst. Mit diesem skizzierte sie die Geschichte eines seit College-Zeiten befreundeten Paares über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Der Comedy-erfahrene Regisseur Rob Reiner wurde mit der Umsetzung beauftragt und brachte seinen Freund und Schauspieler Billy Crystal mit. 1989 wurde dann die Geschichte von Norah Ephron nur wenig geändert umgesetzt und es entstand eines der wichtigsten Meisterwerke der Filmgeschichte – Harry und Sally.

Die bis dato seit drei Jahrzehnten sanft entschlafene Screwball-Comedy war wieder belebt worden. Zahlreiche Epigonen und schwächere Nachahmer folgten. Diejenigen, die sich noch an das Ende von „Harry und Sally“ erinnern, wissen, dass die beiden Protagonisten nach einem jahrelangen Katz- und Mausspiel am Ende gemeinsam auf dem Sofa sitzen und `ihre` Geschichte erzählen. Diese Situation ist der Beginn von „Der letzte schöne Herbsttag“ von Ralf Westhoff. Nur heißen die beiden Protagonisten in der deutschen Komödie nicht Harry und Sally, sondern Leo und Claire.

Leo und Claire sind um die 30 und seit einigen Jahren ein Paar. Im Gegensatz zu seinem Überraschungserfolg „Shoppen“, mit dem der Autor, Regisseur und Produzent Westhoff 2007 das Phänomen „Speeddating“ kritisch beleuchtete, bricht er in seinem zweiten Langspielfilm das allseits beliebte Thema des Geschlechterkampfes auf die älteste aller Formen herunter: ein Mann, eine Frau und die Liebe. Etwa 50 Minuten reden Westhoffs Protagonisten nicht miteinander, sondern mit dem Zuschauer, also in die Kamera. Sie beantworten Fragen: Wie hat man sich kennen gelernt? Was stört den einen am anderen? Wie gut ist der Sex usw… Was beide beruflich machen ist unwichtig, was vorher war, also vor dem Kennenlernen und nachher sein könnte auch.

Felix Hellmann und Julia Koschitz sind Leo und Claire, beide kommen vom Theater. Und beide waren schon in Westhoffs Debütfilm „Shoppen“ mit von der Partie. Doch trotz ihrer sympathischen Ausstrahlung und durchaus reichlich vorhandenen Telegenität, merkt man Ihnen die großen Mühen, in den meist engen Bildräumen verharren zu müssen, an. Zwar glaubt man Ihnen jedes Wort, auch die Tatsache, dass es sehr schwierig sein kann, die Sache mit der Liebe, doch beide bleiben bis zum Ende lediglich Projektionsflächen heterosexueller Fremdbilder.

Sicherlich wird der ein oder andere Zuschauer in den beiden Protagonisten Charaktereigenschaften des durchschnittlichen ThirtySomething-Nerds entdecken. Ein cleverer Schachzug des Drehbuchs von Ralph Westhoff. Ehe er oder sie sich versieht, ist man den beiden Chaoten verfallen. Einerseits dem introvertierten, leicht unbeholfenen Leo. Andererseits der zuckersüßen, stets leicht weinerlichen Claire.

Doch mit ihren Anschuldigungen und Erklärungen haben beide nach etwa 50 Minuten das Thema Liebe „totgequatscht“. Will man das sehen? Reicht dieses mit spitzfindgen Dialogen angereicherte (Drehbuch)Skelett für einen abendfüllenden Spielfilm? Die Antwort ist nein. In anderen Filmen zum Thema („Harry und Sally“, „Alle anderen“, „Drei“), würden auf die Dialoge direkt im Anschluß Aktionen folgen. So auch bei Westhoffs Generationenporträt. Doch weit vor dem Showdown mit türenschlagender Verwechslungskomik ist der Zug längst abgefahren. Die schlussendlich logische Trennung will dann niemand mehr sehen. Wir drücken den beiden trotzdem die Daumen.



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INHALT

Claire und Leo sind seit zwei Jahren ein Paar. Und sie sind glücklich - meistens jedenfalls. Denn streng genommen passen sie gar nicht zusammen. Claire hat das Gefühl, Leo ist nicht richtig bei ihr, er sieht durch sie hindurch und vergisst sie, sobald sie ihm aus dem Blickwinkel gerät. Leo hingegen ist überfordert, er hätte gerne eine Claire-Gebrauchsanweisung. Wie geht das eigentlich, zusammen glücklich sein? Im Erzählen über sich und den anderen, über hohe Ideale, eigene Sehnsüchte, kleine Schwächen und Alltagsschlamassel, über Streit und Versöhnung versuchen sie herauszufinden, ob ihre Liebe eine Zukunft hat.
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Eure Kritiken zu letzte schöne Herbsttag, Der

  1. tine

    sehr unterhaltsame konzentrierte darstellung einer thirty-something beziehung! ich fand vor allem auch das zusammenspiel mit den besten freunden grossartig, claire, die davon ausgeht das leo garnicht kommuniziert und aus allen wolken fällt, als der beste freund ihr genau das gegenteil erzählt .. z.b. … gestenr mittag geschaut, gestern abend noch grinsend an szenen erinnert mitten in der kneipe, herrlich!

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