KRITIK

Let´s Make Money

Let´s Make Money „Privatisierung“ kommt vom lateinischen Wort „privare“. Man könnte den Begriff aber auch mit „berauben“ übersetzen. Auch Begriffe wie „Emerging Markets“ und “Cross-Boarder-Leasing” werden nach dieser Dokumentation keine Fremdwörter mehr sein. Doch es handelt sich bei „Let´s Make Money“ bei weitem nicht um eine plumpe dokumentarische Auslegung zum Thema Finanzen. Der Filmemacher Erwin Wagenhofer versucht dem Lockslogan vieler Banken – „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“ – nachzugehen und somit herauszufinden, was mit unseren Ersparnissen passiert. Der Weg führt ihn dabei nach Großbritannien, Spanien, Indien, Burkina Faso und viele andere Länder. Und dem Zuschauer wird mit dieser Reise schnell klar, dass unser Geld rein gesellschaftlich gesehen immer „den Weg von unten nach oben und nicht von oben nach unten nimmt“, wie es Wagenhofer selbst im Interview mit dem österreichischen Filmmagazin „Ray“ ausdrückt.

Der Erzähler ist nie ein neutraler Voice-Over-Sprecher, sondern es sind Menschen, die direkt mit dem Thema Finanzwelt und globalisierte Wirtschaft zutun haben: Mark Mobius, ein Manager im Bereich Emerging Markets, der Geld in Entwicklungsländer investiert, nur um kurze Zeit danach durch gezielte Ausbeutung sein Vermögen und das seiner Klienten zu erhöhen; Mirko Kovats, ein österreichischer Industrieller, der eine Fabrik in Indien besucht und dabei kontroverse Aussagen über die Arbeiter und die Bevölkerung Indiens im Allgemeinen macht; John Perkins, ein sogenannter „Wirtschaftskiller“, der die Globalisierungspolitik der Vereinigten Staaten kurz umreist und dabei auch für den Zuschauer neue Anschauungsmöglichkeiten der von den USA geführten Kriegen liefert; aber neben einigen Wirtschaftsexperten kommen auch Menschen zum Wort, auf deren Kosten „Money“ gemacht wird: Zum Beispiel Arbeiterinnen auf Baumwollfeldern in Burkina Faso, die für ein Jahresgehalt von 50 Euro und weniger arbeiten und Taxifahrer in Washington D.C., die ihre eigenen Meinungen und Anschauungen zum Thema Weltfinanzen haben.

Die Handlung in „Let`s Make Money“ wird durch Interviews und gelegentlichen Texteinblendungen vorangetrieben. Wagenhofer hat sich mit dieser Thematik ein nicht nur kontroverses, sondern auch schwer zu erklärendes Thema ausgesucht. Da alle Bereiche, die der Film beleuchtet, immer ausführlich von den „Experten“ erklärt werden, läuft man kaum Gefahr, bei „Let`s Make Money“ nicht mitzukommen. Selbst der Laie, der nicht sehr viel von globaler Finanzpolitik versteht, bekommt hier einen guten, aber leider nur groben, Überblick. Einen hohen Anspruch, dessen Nicht-Einhaltung man dem Regisseur jedoch nicht vorwerfen kann, da sich sicherlich schwerlich in 110 Minuten Filmzeit alle Hintergründe dieses Themenbereiches erläutern lassen. Zur gleichen Zeit des Kinostarts in Österreich und Deutschland war Weltspartag. Der Film wurde kurz vor der momentanen Wirtschaftskrise fertig gestellt. Es hat eine unheimliche Wirkung auf den Zuschauer im Nachhinein zu sehen, dass bereits seit Jahren, vielleicht sogar seit Jahrzehnten, der Zusammenbruch des Finanzmarktes drohte.

So informativ und interessant der Film auch ist: Er kommt leider nicht an Wagenhofers letzte Produktion „We feed the World“ heran. Der Zuschauer wird mit dem Gefühl allein gelassen, er könne ohnehin nichts unternehmen, während bei seinem Vorgänger genau die umgekehrte Aussage der Fall war. Man kann darüber nachdenken, ob es nicht doch Möglichkeiten gibt, etwas gegen den Untergang der Finanzwelt zu tun. Zumindest bietet diese Dokumentation genug Initialzündungen, über die Profit- und Konsumgier nachzudenken, denn diese betrifft nicht nur die „Großen“ dieser Welt, sondern jeden einzelnen von uns. Und allein aus diesem Grund lohnt sich schon der Kinobesuch.



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Erwin Wagenhofer folgt der Spur unseres Geldes im weltweiten Finanzsystem und blickt hinter die Kulissen der bunten Prospektwelt von Banken und Versicherern.
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