KRITIK

Leroy

Leroy „Papa“, ruft der Junge aus dem gepflegten Vorort, „da steht ein Nigger vor der Tür.“ Gemeint ist Leroy (Alain Morell) aus Schöneberg, der 17-jährige Held dieser Afro-Komödie, der ein paar Probleme mehr als seine Altersgenossen hat. Er ist verliebt in Eva, was an und für sich okay ist, weil sie ihn auch liebt – bloß sind ihre Brüder Skinheads und der Vater ist Abgeordneter einer Rechtspartei.

Leroy, der sich bislang trotz seiner braunen Haut ziemlich deutsch gefühlt hat, entdeckt durch die Begegnung mit Familie Braune, die ihren Wellensittich nach Wüstenfuchs Rommel benannt hat, seine Black-Power-Identität – fängt an Soul zu hören, nimmt Nachhilfe in Blaxploitation-Movies, wirft seine Goethe-Büste aus dem Fenster und tritt im Mantel von Shaft und mit der Brille von Malcolm X den Faschisten gegenüber.

Und das könnte ganz fürchterliches, pädagogisch umso wertvolleres Jugendkino sein, ist aber glücklicherweise, dank konsequenter satirischer Überspitzung, ein vergnügt-absurder Spaß um Identitätsprobleme, erste Liebe und Hunde, die den Hitlergruß beherrschen.

Armin Völckers, der seinen Kurzfilm „Leroy räumt auf“ zum 90-Minüter ausgeweitet hat, kann zwar ein paar dramaturgische Hänger nicht verhehlen. Aber der junge Hauptdarsteller sowie Anna Hausburg entschädigen dafür, ebenso einige wirklich lustige Lektionen in schwarzem Bewusstsein, etwa von einem „Blackula“-Vampirfan aus dem Plattenladen erteilt: „Man muss die Weißen beißen!“



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INHALT

Leroy ist ein ganz normaler 17-jähriger Berliner Schüler: kultiviert, manierlich, wohlerzogen - und schwarz. Statt Hip-Hop stehen bei ihm Cello-Spiel und Kunstausstellungen auf dem Programm. Das einzig Coole an ihm ist seine ausladende Afro-Frisur. Obwohl er sich dem anderen Geschlecht gegenüber ungeschickt und linkisch verhält, entdeckt ihn die süße Eva - beide verlieben sich heftig ineinander. Damit fängt der Ärger an: Evas Familie ist rechtsradikal und ihre fünf tumben Brüder verprügeln am liebsten Farbige.
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Eure Kritiken zu Leroy

  1. BastiFantasti

    „Über etwas lachen zu können, bedeutet einen Schritt in Richtung Normalität“, Helge hat es uns in „Mein Führer“ vorgemacht und auch hier wird mit dem Thema ziemlich Pingpong gespielt. Doch es funktioniert. Zusammen mit der Musik macht der Film richtig Spaß!

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