KRITIK

Legende von Beowulf, Die

Vielleicht leidet Robert Zemeckis unter dem Francis-Ford-Coppola-Syndrom. Von Coppola weiß man, dass er nach dem Irrsinnsunternehmen „Apocalypse Now“ eine Zeit lang keine Schauspieler mehr sehen konnte und während folgender Dreharbeiten, mit dem Monitor im Wohnwagen verschanzt, seine Regieanweisungen über Lautsprecher gab. Die Technik war eben noch nicht soweit, ihm die Menschen zu ersetzen.

Zemeckis hat da mehr Glück, er kann dank digitalen Fortschritts und Performance-Capture-Verfahren heute den Schauspieler als Gesichtsvermieter buchen, wie bereits für „Polarexpress“ geschehen. Offenbar zum eigenen Gefallen, denn auch in der „Legende von Beowulf“ treten nur die Pixel-Klone seiner Hollywood-Stars auf, darunter Anthony Hopkins, Ray Winstone, Robin Wright Penn und Angelina Jolie. Ein Kino für die Second-Life-Generation.

Sagenhaft ist eigentlich nur die Geistesschlichtheit, mit der dieser Mythos aus dem 8. Jahrhundert, dieses bedeutendste Zeugnis der urzeitlichen angelsächsischen Schriftkultur, zur vulgärpsychologischen Monster-Mär verballhornt wird.

Zemeckis erzählt in seiner Viewers-Digest-Fassung vom Dänenkönig Hrothgar (Hopkins), dessen Reich um 600 nach Christus von einem Dämon namens Grendel terrorisiert wird. Thor und Odin helfen nicht, aber ein Krieger namens Beowulf (Winstone) reist mit seinen Mannen über die Meere, um Hrothgars legendären Met zu kosten und den Mutanten niederzustrecken, der sich als unehelicher Sohn des Regenten erweist – gezeugt mit einer sexy Goldechse, der Angelina Jolie ihren Körper geliehen hat. Selbst Held Beowulf, der gern über Mut und Ehre doziert und meistens nackt kämpft, kann sich den Reizen dieser vollbusigen Hexe nicht entziehen. Der Fluch der Blutschande setzt sich fort. Ein Drache wird geboren.

Selbst wer noch nie von der Vorlage Kenntnis genommen hat, die älter als das Nibelungenlied ist und eine der Hauptinspirationsquellen für Tolkiens „Herr der Ringe“ abgab, dürfte nur staunen, welch blut- und menschenleere Seifenopern-Saga Zemeckis hier entwirft.



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INHALT

Vor Jahrhunderten, als die Helden der Legenden noch lebten, zieht der junge Recke Beowulf vom Volk der Geatas in den Krieg gegen ein menschenverschlingendes Monstrum, das seit geraumer Zeit Dänemark und seinen König Hrodgar heimsucht. Mit seinen unerschrockenen Kampfgefährten gelingt es Beowulf, die Dänen zu befreien und das Ungeheuer zu töten. Das erweckt den Zorn von dessen Mutter, einem bösartigen Verführungsgeist, der sich an Beowulf für seine Tat rächen will.
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Eure Kritiken zu Legende von Beowulf, Die

  1. Hinnerk

    Fantasy-Action? Fehlanzeige. Da wird mit großen Schauspielern geworben und dann sowas. Eine glatte 6 von mir!

  2. Udo

    Es stimmt, die computeranimierten Darsteller wirken irgendwie fad. Schade, dabei war die Geschichte um den Kämpfer Beowulf durchaus spannend. Mir hat aber besonders die immer sehr ansehnliche Angelina Jolie gefallen 😉

  3. Kerl

    Motion Capture: Die Zukunft des Kinos? Bitte nicht! Formale Veränderungen sollten die Handlung unterstützen und nicht zur unfreiwillen Komik beitragen.

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