KRITIK

Leb wohl, meine Königin!

Plakat zum Film Leb wohl meine KoniginEs wäre natürlich ein Leichtes, einmal mehr das wohlbekannte Diane-Kruger-Bashing fortzusetzen, das sie sich seit ihren ersten Filmauftritten in „Troja“ und „Das Geheimnis der Tempelritter“ – inklusive einer grauenvoll emotionslosen Selbstsynchonisation – wohlverdient hat. Aber dazu liefert „Leb wohl, meine Königin!“, der Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale kaum einen Anlass. Ihre Performance als Marie Antoinette in diesem intimen Schlüssellochblick auf die letzten Tage vor der Revolution ist angemessen und respektabel austariert zwischen königlicher Härte und kindlicher Unschuld – und erwartungsgemäß akkurater als Kirsten Dunsts It-Girl in Sofia Coppolas hübsch misslungener Punk-Pop-Version.

Dabei ist Marie Antoinette in diesem Film nicht der eigentliche Mittelpunkt, allenfalls das Licht, das die Motten und die Ratten und die Bediensteten des Hofes magisch anzieht. Insbesondere ihre Vorleserin Sidonie, die ihre Königin abgöttisch verehrt, ihr zum letztlich unglücklichsten Zeitpunkt allzu nahe kommt und in dem Glanz und dem vermeintlich schönen Schein verbrennt. Lea Seydoux, die auf der Berlinale auch in Ursula Meiers „Sister“ brillierte und sich mit Nebenrollen in „Midnight in Paris“ und „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ bereits in Hollywood einen Namen gemacht hat, ist als Sidonie der größte Trumpf in Benoit Jacquots Film. Trotz ihrer bedingungslosen Ergebenheit bleibt sie stets ein starker, selbstbewusster Charakter, gerade in dem Chaos, das über Frankreich hereinbricht, und ihr unablässig zu folgen durch die labyrinthische Architektur von Versailles, macht einen Gutteil der Faszination von „Leb wohl, meine Königin!“ aus.

Szene aus dem Film Leb wohl meine Konigin„Les adieux à la reine“, wie der Film im französischen Original heißt, verzichtet weitgehend auf das epische Pathos und den Pomp und, möglicherweise in Anlehnung an Robert Altmans meisterlichen „Gosford Park„, wird über „die da oben“ gekonnt aus der Frosch-Perspektive erzählt. Clever! Wobei Jacquots Film die kühle, sezierende Brillanz des britischen Pendants nur selten erreicht, dafür bleiben die Dialoge oftmals zu flach, die Haltung zu wenig fokussiert und auch der ausgiebige Gebrauch der Handkamera suggeriert allenfalls Direktheit und Nähe, wo das bisweilen zu schematische Drehbuch sie nicht herzustellen vermag.

Um jedoch seine Meinung über Diane Kruger ein wenig zu relativieren sowie die derzeit aufregendste französische Darstellerin für rund 100 Minuten zu erleben, allein dafür lohnt dieses Blättern in einem eigentlich ausgelesenen Geschichtsbuch allemal. Auch das Premieren-Publikum in Berlin honorierte diese Leistung mit wohlwollendem Applaus.

  

 



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