KRITIK

Learning to Drive

Bild (c) Alamode Film.

Bild (c) Alamode Film.

Das Taxi als Mikrokosmos der Gesellschaft, als Transitraum, in dem sonderbare Käuze und Menschen aller Schichten, Kulturen und Religionen für kurze Zeit zusammensitzen: Im Kino ist das ein In-Thema. Noch während Jafar Panahi das allseits gefeierte „Taxi Teheran“ über die Leinwand lenkt und noch bevor die Verfilmung von Karen Duves Bestseller „Taxi“ startet, erreicht ein Nachzügler aus dem letzten Jahr die deutschen Lichtspielsäle: „Learning to Drive“. Darin geht es zwar um Fahrstunden, doch erteilt werden diese von einem lebensweisen indischen Taxifahrer, passend besetzt mit Ben Kingsley, dem ewigen „Gandhi“.

Ihm platzt eines Tages die Literaturkritikerin Wendy (wunderbar: Patricia Clarkson, „Pieces of April“) ins Taxi, das er nächtens durch New York steuert. Die Mittfünfzigerin schwankt zwischen Zorn und Verzweiflung, denn gerade erst wurde sie von ihrem Mann verlassen. Für eine Jüngere. Taxifahrer Darwan, ein gläubiger Sikh, der wegen politischer Verfolgung aus Indien ausreisen musste, arbeitet tagsüber als Fahrlehrer. Und nur wenig später landet Wendy auch im Fahrschulwagen dieses sanften Mannes.

LearningToDrive_AlamodeFilm_webWarum? Nun, erstens möchte sie ihre Tochter besuchen, die als Biobäuerin in der Provinz arbeitet, und zweitens will sie grundsätzlich selbstständiger werden. Weshalb sich das Fahrenlernen auch als wohlfeile Lebensmetapher anbietet: Brücken müssen überquert, Spuren gewechselt und Nervensägen ignoriert werden.

Regisseurin Isabel Coixet hat diesen Film noch vor ihrem gründlich versenkten Polardramolett „Nobody Wants the Night“ gedreht, das im Februar die Berlinale eröffnete. An ihr frühes Meisterwerk „Mein Leben ohne mich“ kann Coixet freilich auch hier nicht anknüpfen, als Schmunzelware mit Wellnessbonus für Kalenderweisheiten-Fans geht „Learning to Drive“ jedoch allemal durch – was vor allem an den hervorragenden Charismatikern Kingsley und Clarkson liegt.

Die (populär-)philosophischen Dialoge, die sich zwischen dem unter Alltagsrassismus leidenden Fahrlehrer und der wohlsituierten Kulturbürgerin entspinnen, gehen über bloße Culture-Clash-Klischees durchaus hinaus – zumindest ein wenig. Aber es macht großen Spaß, diesen beiden Darstellern bei ihrer Arbeit zu zuschauen. Auch in einem Fahrschulwagen.

 

 

 



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INHALT

Der New Yorker Literaturkritikerin Wendy (Patricia Clarkson) reißt es den Boden unter den Füßen weg, als sie nach 21 Jahren Ehe von ihrem Mann verlassen wird. Auf anfängliche Wut folgt Trauer, doch statt sich der Verzweiflung hinzugeben, beschließt Wendy ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Um ihre Tochter Tasha in Vermont besuchen zu können, will sie endlich ihren Führerschein machen und nimmt Fahrstunden bei dem indischen Taxifahrer Darwan (Ben Kingsley). Obwohl die Lebenswege der beiden kaum unterschiedlicher sein könnten, vertiefen sich die Gespräche zwischen Wendy und Darwan immer mehr. Die impulsive Wendy findet in dem ernsten und sanftmütigen Inder einen klugen Gesprächspartner und neuen Freund, der sie daran erinnert, worauf es im Leben wirklich ankommt. (Text: Alamode Filmverleih)
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