Die überschaubare Welt des Aki Kaurismäki hat einen neuen Schauplatz bekommen. Die französische Küstenstadt Le Havre, ein pittoreskes Ensemble aus Nachkriegsbeton und Containerhafen, gleichermaßen der Zeit entrückt, ein bisschen schäbig, aber doch von ruppigem Charme. So gesehen hat sich im Kaurismäki-Universum nicht viel geändert – auch die Protagonisten sind ebenso zerknautscht und wettergegerbt wie ihre Umgebung, allein: sie quatschen viel mehr. Die typische Tristesse ist einem fast sentimentalen Redefluss gewichen, ein märchenhafter Überzug packt den Film überdies in Watte. Das ist eine ganze Weile sehr hübsch anzuschauen, insbesondere die farbintensiven Kulissen in ihren leuchtenden Komplementärfarben und der Retrocharme einer Welt ohne Mobiltelefone und anderem Schnickschnack, zumal die Stammkneipe des Marcel Marx dann noch hübsch ironisch “La Moderne” heißt.
Auch das zitatenreiche Spiel mit filmhistorischen Verweisen und Anspielungen auf das Kaurismäki’sche Oeuvre weiß bis zu einem gewissen Zeitpunkt durchaus zu gefallen, bevor die Handlung des Films mit ihrer allzu gewollten Schlichtheit und ihrer überbordenden Naivität fast alle anderen Aspekte des Films lähmt.
Der Sozialkitsch nimmt schließlich überhand, wenn Marcels Frau Arletty vermeintlich lebensbedrohlich erkrankt und ebenso wundersam gerettet wird wie der kleine Flüchtlingsjunge mit dem treuherzigen Blick, dessen Schicksal den ausgefuchsten Polizisten derart erweicht, dass er seine Pflicht leichtfertig vergisst. Der nostalgische Ton des Films kulminiert in einem kauzigen Gastauftritt des Sängers Roberto Piazza alias Little Bob, der seinen Zenit weit überschritten hat und nur noch mit wohlwollend ironischem Blick nicht der Lächerlichkeit anheim fällt.
Auch Kaurismäki selbst scheint mit seinem ersten Film nach sechs Jahren Leinwandabstinenz ein wenig altersmüde geworden zu sein, der Witz wirkt bemüht, die Poesie aufgesetzt, die Handschrift allzu bekannt, ohne dass ihr positive neue Aspekte oder gar Impulse beigemengt wurden. Idrissa, der Flüchtlingsjunge, kann entkommen, Kaurismäki hingegen bleibt gefangen.








Ich finde gar nicht, dass er so sehr sozialkritisch ist, eher verträumt wie Marx – ein Märchen eben. Und einem Märchen kann man doch nicht vorwerfen, naiv zu sein.
ich fand den film ganz wunderbar, WUNDERbar, optik, dialoge, moral … und für cineasten wäre noch anzumerken: es ist der zweite film für die figur des marcel, andre wilms spielte ihn schon in “das leben der boheme” und führt dies nun fort, was er im film ja auch in einem dialog mit dem jungen kurz aufgreift.