KRITIK

L`auberge espagnole – Wiedersehen St. Petersburg

L`auberge espagnole - Wiedersehen St Welche Geschichten überhaupt noch erzählenswert sind, das fragen sich Schriftsteller in der Schaffenskrise gern. Über das Leben und die Liebe ist ja nun wirklich schon alles gesagt worden, warum also alten Wein in neue Schläuche gießen. Manche verbittern darüber und arbeiten fortan fürs Fernsehen. So wie der junge Xavier (Romain Duris, „Der wilde Schlag meines Herzens“), ein französischer Möchtegern-Romancier, dessen Debüt ungedruckt in der Schublade vermodert und der nun als Ghostwriter die Memoiren 24-jähriger Models in Worte kleidet sowie an einer Soap-Opera fürs Weihnachtsprogramm herumdruckst.
Wir kennen Xavier aus Cédric Klapischs Multikultikomödie „L’Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr“, der von einer Schar Erasmus-Studenten aus verschiedenen Teilen Europas handelte, die nie zur Uni gehen, morgens lange schlafen und sich andauernd unglücklich verlieben. Ein sympathischer, unbeschwerter Mittzwanziger-Film, der einen mit der beruhigenden Gewissheit aus dem Kino entließ, dass Europa zusammenwächst, obwohl die Briten weiterhin mit ihren überbewerteten Pfundnoten bezahlen, und dass die Jugendlichen auch in anderen Ländern zu viel Alkohol trinken und man sich keine Sorgen machen muss.

Eine Fortsetzung seiner WG-Eskapade hielt Klapisch eigentlich nicht für nötig, aber der Erfolg ließ ihm keine Wahl. Das Sequel schlägt den vorgerückten Jahren entsprechend, melancholischere Töne an und stellt Xavier ins Zentrum. Der durchlebt eine mittlere Krise, weil er auf die Dreißig zugeht und weder im Beruf noch im Bett dauerhaften Erfolg hat. Er ist ein Habenichts, seine Exfreundin Martine (Audrey „Amélie“ Tautou) eine Globalisierungsgegnerin – also auch gescheitert.

Die in St. Petersburg bevorstehende Hochzeit des wilden Briten William (Kevin Bishop) führt die Freunde von damals noch einmal zusammen, aber eigentlich ist es diesmal kein Ensemblevergnügen, es stehen Xaviers zahlreiche amouröse Turbulenzen im Vordergrund. Die hämmert er in der Rahmenhandlung, auf der Toilette eines Schnellzuges sitzend, in sein Notebook, getreu der männlichen Schriftstellertradition, Romane zum Anlass zu nehmen, die Vielzahl der eigenen Eroberungen zu preisen.
Klapisch erzählt diese Coming-of-Age-Geschichte für angehende Erwachsene als flottes Metropolen-Hopping halbweiser Gefühlshasardeure. Nett anzusehen, nicht neu.



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INHALT

Fünf Jahre sind vergangen, seit Möchtegernschriftsteller Xavier in einer gemischteuropäischen WG in Barcelona lebte und dabei unter anderem auch die charmante Britin Wendy kennen lernte. Als dem Luftikus nun nach längerer beruflicher Durststrecke ein lukrativer Drehbuchjob winkt, bei dem er auch noch mit Engländern zusammen arbeiten soll, kommt ihm unweigerlich Wendy in den Sinn. Wendys Bruder William folgt unterdessen blind verliebt der Balletttänzerin Natacha nach St. Petersburg.
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Eure Kritiken zu L`auberge espagnole – Wiedersehen St. Petersburg

  1. Patrice

    Etwas zerfahren, insgesamt schlechter als der erste Teil. Aber immer noch sehenswert! Schönere Menschen, besseres Design aber weniger Inhalt.

  2. Tina

    Eine nette kurzweilige Unterhaltung mit insgesamt eher einer One-Man-Show als einem WG-Film. Der erste war echt besser aber schlecht ist der Film nicht.

  3. Kaiserin

    Ich fand den Film auch nicht schlecht. Der Hauptdarsteller war süß. Zudem kann ich mich in den Film hineinversetzen, wenn man sich nach Jahren mit seiner alten WG wiedertrifft!

  4. Nina

    witzigder erste teil war zwar origineller, doch dieser ist deshalb nicht schlechter. man darf bloß keine zu hohen erwartungen haben – dann kann man sich gut amüsieren!

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