KRITIK

Late Bloomers

Plakat zum Film Late BloomersAuf der Liste jener Schauspieler, die auf der Leinwand kaum etwas falsch machen können, stehen Isabella Rossellini und William Hurt sehr weit oben: Die Ingrid-Bergman-Tochter und der Oscar-Preisträger („Kuss der Spinnenfrau“) haben die 60 inzwischen überschritten, ungezählte Filme hinter sich und sind immer noch locker in der Lage, jedes neue Projekt durch ihre bloße Anwesenheit aufzuwerten – selbst ein gut gemeintes, aber leider arg verschmocktes Dramolett wie dieses hier.

Regisseurin Julie Gavras („La Vaute a Fidel“, 2006), Tochter des griechischen Politfilmers Costa-Gavras, will in „Late Bloomers“ vom Schrecknis Altwerden erzählen sowie von den verschiedenen Strategien, mit ihm umzugehen. Das sieht dann so aus: Architekt Adam stürzt sich, je näher die Rente rückt, umso heftiger in Arbeit. Den Bau eines Seniorenheims verschmäht er, dafür hängt er sich ein fesches Lederjöppchen um und verführt die jüngere Kollegin. Seine Frau Mary, eine Sprachdozentin, wähnt sich hingegen schon nach dem ersten Gedächtnisaussetzer als künftige Alzheimer-Patientin, weshalb sie schon mal vorsorglich Haltestangen in die Badewanne schrauben lässt.

Szene aus dem Film Late Bloomers Der panische Verdränger und die Endzeit-Pragmatikerin – das sind die Schablonen. Würden Hurt und Ros­sellini diesen Rollen nicht routiniert Wärme einhauchen, wären das kaum mehr als Pappfiguren. Denn Adam und Mary, das Londoner Wohlstands-Akademikerpaar, ist von keinerlei finanziellen, gesundheitlichen oder sozialen Problemen angekränkelt, und existenziellste Verlustängste lösen sich verlässlich in Wohlgefallen auf: Wenn Mary sich hässlich findet, kommt verlässlich ein scharfer neuer Charmeur des Wegs, und Adam fühlt sich am Ende doch bei seiner Gattin am wohlsten. Was bleibt, ist Erbauungskino mit großzügig dosiertem Sentimentalitätsbonus.

  

 



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INHALT

Isabella Rossellini (Blue Velvet, Huhn mit Pflaumen, Green Porno) und Oscar-Preisträger William Hurt (Into the Wild, Robin Hood, Der Kuss der Spinnenfrau) spielen in LATE BLOOMERS erstmals gemeinsam in einem Film. Die französische Autorin und Regisseurin Julie Gavras erzählt darin die Geschichte eines Paares in den so genannten besten Jahren. Beide entdecken die ersten Anzeichen des Älterwerdens und geraten aus dem gewohnten Takt. Nach Jahren harmonischen Miteinanders müssen sie, und mit ihnen ihre Familie, einige Reifeprüfungen bestehen und noch einmal Leben lernen. Gemeinsam und jeder für sich.
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