KRITIK

Last Night

Last Night Schöne Menschen in schönen Räumen reden sehr viel: Wäre man harsch, könnte man das Regiedebüt der Drehbuchautorin Massy Tadjedin damit bereits auf den schnöden Punkt bringen. Tatsächlich wirkt „Last Night“ über weite Strecken wie eine Konversationskomödie aus dem vornehmen Theatersalon, ein Vier-Personen-Stück über die Launen larmoyanter Besserverdienender.

Doch wer würde sich nicht in die erste Reihe setzen wollen, angesichts der Hollywoodstars, die sich hier in für sie recht untypischen Parts in den Hauptrollen engagieren? Keira Knightley etwa, sonst als Kostümfilm-Beauty und Piratenmädel bekannt, gibt die New Yorker Jung-Journalistin und Möchtegern-Schriftstellerin Joanna Reed. Oder Sam Worthington, digital berühmt als „Avatar“. Wortkarg und mit sparsamer Mimik spielt er ihren Ehemann Michael, einen etwas drögen, aber erfolgreichen Geschäftsmann.

Gemeinsam leben sie in einem Manhattan-Loft wie aus einem Lifestyle-Magazin und schauen hilflos zu, wie Zweifel und Wohlstandsödnis ihre Zweisamkeit torpedieren. Was fehlt ihnen bloß aneinander? Was will uns die Regisseurin damit sagen?

Diese Fragen werden alsbald durchexerziert in dramaturgischer Parallelstruktur: Michael fährt mit seiner verführerischen neuen Kollegin Laura (die ewige Actionfilmbeilage Eva Mendes in einer differenzierteren Rolle) auf Geschäftsreise, Joanna trifft ihren französischen Ex-Geliebten Alex wieder, einen libertären Bohemien (Guillaume Canet, „The Beach“; „Zusammen sind wir weniger allin“). Eine einzige Nacht wird zeigen, wer fremdgeht und wer nicht, und am Ende bleibt die Frage offen, ob außerehelicher Sex oder bloß außereheliche Sehnsucht destruktiver ist für die Liebe.

Massy Tadjedin zeichnet die männlichen Rollen als Jäger und Sammler und – soviel darf man verraten – am Ende erfolglos. Ihre beiden Frauen sind stark und verspielt. Gut gespielt ist das fraglos, auch relativ unangestrengt inszeniert. Aber dafür, dass „Last Night“ fast ausschließlich aus Dialogszenen besteht, fehlt dieser Versuchsanordnung nicht nur die Wucht wie etwa der vergleichbaren Theaterverfilmung „Hautnah“ von Mike Nichols, sondern auch Einiges an Charme und Witz.



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INHALT

Joanna und Michael Reed sind jung, verheiratet, und sie haben scheinbar alles, was man zu einem perfekten Leben braucht. Wäre da nicht dieser eine Moment, in dem Joanna auf einer Party ihren Mann mit seiner neuen Kollegin Laura beobachtet. Er ist flüchtig, und er ist nicht eindeutig. Joanna kann sich nicht sicher sein, was sie gesehen hat - und was vielleicht nicht. Sie beginnt zu zweifeln. Und sie trifft Alex, einen Ex-Lover, von dem sie glaubte, ihn längst vergessen zu haben ...
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