KRITIK

Larry Crowne

Plakat Larry CrowneJahrelang war Larry Crowne ein beliebter Mitarbeiter, geschätzt und respektiert. Jetzt kegeln ihn die Absurditäten des politisch-korrekten Arbeitsrechts aus Lohn und Brot: Weil er keinen College-Abschluss hat, kann er in jenem Mega-Supermarkt, in dem er arbeitet, nicht befördert werden. Weshalb man ihn leider entlassen muss. Tom Hanks, das personifizierte Dilemma, das vermenschlichte Spiegelbild des amerikanischen Arbeitsmarktes? Mit dieser Situation ist er schon erreicht, der Höhepunkt an Spott auf die Verhältnisse im krisengepeitschten Amerika. Was folgt, wird nicht zur Satire, sondern irritierenderweise zur seichten Feel-Good-Komödie: Das Arbeitslosenleben erweist sich für Mittfünfziger Larry als lustige Lebensneujustierung mit Aussicht auf Liebe. Daraus entwickelt sich kein Drama. In diesem Fall nicht.

Sein Auto tauscht Larry gegen eine flotte Vespa: Kein Geld mehr? Macht doch nichts! Das Leben ist schön! Trotzig schreibt sich der Geschasste an der Uni ein, wo ihn fidele Kommilitonen in ihre Bande aufnehmen, zunächst eine neue Frisur und dann eine Romanze mit der Dozentin auf ihn warten. Diese Mrs. Tainot hasst ihren Ehemann, säuft deswegen (Alkoholismus? Macht nichts! Das Leben geht weiter!) und wird dennoch ganz makellos von Julia Roberts gespielt. Selbst wenn Larry als Imbissbudenbrutzler knechten muss: Die Sache mit dem Herzen ist geritzt.

Tom Hanks, der zuletzt als Symbologe den „Illuminati“ hinterherhetzte, hat sich für „Larry Crowne“ nach 15 Jahren mal wieder auf den Regiestuhl gesetzt. Die Hauptrolle spielt er quasi nebenbei: Sein Larry ist simpel und nett und soll von Ferne wohl an Hanks´ legendären Forrest Gump gemahnen.

Doch der neue Film ist schlechter. Was eine Art nostalgisch angelegte Screwball-Komödie werden sollte, scheitert bereits an der mangelnden Chemie zwischen Hanks und Roberts: Nach der Depp-Jolie-Donnersmarck-Gurke „The Tourist“ hat es schon wieder nicht geklappt, altmodisches Hollywood-Starkino zu reanimieren. Hanks schiebt bemüht originelle Nebenfiguren durch die Szenen, aber es funktioniert nicht: „Larry Crowne“, geplant als große Sommerkomödie, ist inszenatorisch altbacken, thematisch unausgegoren und weder richtig lustig noch herzerwärmend romantisch. 90er-Jahre-Stangenware, versehentlich im Heute produziert.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Der herzensgute, vielleicht ein wenig unbeholfene Larry Crowne verliert nach Jahren als engagierter Angestellter in einer Supermarktkette seinen Job. Obwohl er schon mehrfach zum Mitarbeiter des Monats gekürt wurde, soll er nicht ausreichend qualifiziert sein, heißt es als Begründung. Also beschließt er, noch einmal die Schulbank zu drücken. Seine Lehrerin, die hübsche Mercedes Tainot, hat mit Motivationsproblemen und einer kriselnden Ehe zu kämpfen. Doch der verliebte Larry ist hartnäckig und bald verläuft nicht nur der Unterricht erfolgreich.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.