KRITIK

Labor Day

Bild (c) Paramount Pictures.

Bild (c) Paramount Pictures.

Zwar kam der Film bei uns kurz nach dem 1. Mai ins Kino, doch in den USA wird der Tag der Arbeit, der „Labor Day“, erst Anfang September gefeiert. Und wenn sich etwas vermittelt in diesem klassischen Melodrama von „Up in the Air“-Regisseur Jason Reitman, dann ist es die überreife Atmosphäre eines Sommers, der seine anfänglichen Verheißungen längst schon hinter sich gebracht hat. Noch kein Herbst, noch heiß, noch alles grün – aber die Tage werden kürzer.

Plötzlich passiert‘s: Im Supermarkt werden die alleinerziehende Adele (Kate Winslet) und ihr 13-jähriger Sohn Henry (Gattlin Griffith) vom entflohenen Sträfling Frank (Josh Brolin) gekidnappt, oder besser gesagt: Ohne Waffe, aber mit Nachdruck lässt sich der Mann ins Vorstadthaus der beiden mitnehmen, um sich dort vor der Polizei versteckt zu halten.

Was wie ein Thriller beginnt, wandelt sich schnell zum unbedingt ironiefrei erzählten Liebesfilm: Frank nämlich erweist sich als ein besserer Mann und Vater, als es Henrys tatsächlicher Erzeuger jemals war. Handwerklich begabt und in der Küche hilfreich, wird er zum besten Kumpel für den Jungen und zum heilenden Liebhaber der seit der Scheidung depressiven Adele. Man schmiedet Zukunftspläne.

Szene_Labor_Day_webEs sind fünf idyllisch-verschwitzte Tage übers lange Labor-Day-Wochenende, an die sich der erwachsene Henry (Tobey Maguire) in langen Rückblenden erinnert. Tage, die an der Wirklichkeit zerschellen müssen: Die Polizei patroulliert, und Henry, verliebt in ein Mädchen aus der Nachbarschaft, er verplappert sich.

Die Kinobesucher müssen viel akzeptieren in diesem stets hart am Kitsch operierenden Film, der auf einem Roman von Joyce Maynard basiert. Die Unterwerfung einer vernachlässigten Frau unter das virile Machertum eines vermeintlichen Mörders etwa wird irritierend unreflektiert geschildert: Reitman, der mit „Juno“ und „Young Adult“ sehr frische Frauenporträts inszenierte, hat das in den USA heftige Schimpftiraden eingehandelt. Auch die Drehbuchkonstruktion, die das Auffliegen Franks auf unglaubwürdige Weise hinauszögert und sich in psychologisierenden Rückblenden verzettelt, überzeugt wenig.

Dann wiederum sind da die großartigen Darsteller. Josh Brolin („Oldboy“) unterspielt Frank auf kunstvoll sanfte Weise, und Kate Winslet überzeugt nach „Zeiten des Aufruhrs“ einmal mehr in einer schwierigen Mutterrolle. Ihr intensives Zusammenspiel ist es, das das fast zu schön fotografierte Drama vor dem Absturz ins Kitschkunstgewerbe der Nicholas-Sparks-Verfilmungen bewahrt.

 

 



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INHALT

Ein heißer Sommer 1987 in New Hampshire - Adele Wheeler (Kate Winslet) lebt seit der Trennung von ihrem Mann mit ihrem 13-jährigen Sohn Henry (Gattlin Griffith) völlig zurückgezogen in ihrem Haus, das sie nur selten verlässt. Am Tag vor dem Labor Day Wochenende kann Henry sie zu einem seltenen Shoppingtrip in einen Supermarkt überreden, nicht ahnend, dass dieser Ausflug ihr Leben für immer verändern wird. Während des Einkaufs wird Henry von einem Fremden angesprochen, der seine Hilfe fordert: Frank Chambers (Josh Brolin) ist ein verletzter Häftling, der auf der Flucht vor der Polizei ist und ein Versteck sucht. Adele ist hin und her gerissen zwischen Angst und Faszination, gewährt dem Flüchtling aber Zuflucht. Zwischen den beiden entwickelt sich eine faszinierende Anziehung, und völlig überraschend entdecken Adele und Frank verloren geglaubte Gefühle und ihre Leidenschaft für das Leben und die Liebe neu. Henry aber, der sich seit langem eine Veränderung für seine Mutter gewünscht hat, begegnet dieser plötzlich mit Skepsis. Die zerbrechliche Zuneigung zwischen Adele und Frank wird auf eine harte und gefährliche Probe gestellt... es ist die Ruhe vor dem Sturm! (Text: Paramount Presse)
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