KRITIK

La vie en Rose

La vie en Rose Eine Mode ist es, Filme mit der letzten Szene anzufangen und die Geschichte dann von hinten in Rückblenden aufzudröseln. Oder im Zeitablauf hin und her zu springen. Oft hat man da das Gefühl, jemand möchte seinen mittelprächtigen Film interessanter machen als er ist. „La vie en rose“ hätte dieses Stilmittel nicht nötig gehabt. „La vie en rose“ ist so oder so ein großartiger Film.

Olivier Dahan, der hier als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion auftritt, war bislang international höchstens mit „Die purpurnen Flüsse 2“ aufgefallen. Seine Piaf-Darstellerin Marion Cotillard hatte mit schon Luc Besson, Jean-Pierre Jeunet und Tim Burton gedreht und César-Nominierungen eingefahren, ohne jedoch den ganz großen Durchbruch zu schaffen. „La vie en rose“ wird beide in die vorderste Linie katapultieren.

Marion Cotillard spielt sich die Seele aus dem Leib, der Film steht und fällt mit ihr und damit, wie glaubwürdig sie eine nationale Ikone verkörpert. Dabei konzentriert sich „La vie en rose“ sehr stark auf die ganz private Piaf. Ihr „Hofstaat“ spielt eine große Rolle. Das Abarbeiten von Berühmtheiten, mit denen Edith Piaf befreundet war, spart sich der Film jedoch. Lediglich zu Marlene Dietrich gibt es eine kleine und schöne Randnotiz.

Ein paar Ungereimtheiten und unfreiwillig komische Details gibt es in den Episoden aus Ediths Kindheit: Da wird zum einen ein kleines pummeliges Mädchen mehrfach als schwächlich und schlecht genährt bedauert. Zum anderen muss sich der Zuschauer fragen, ob die Kleine denn nicht auch mal eine Schule besucht hat. Und als sich das Kind recht unvermittelt nach (in ihrer Biografie immerhin vier Jahren) der Erblindung die Augenbinde vom Gesicht nimmt, kann es gleich wieder sehen und das Licht, das sonst für Menschen schon nach zweiwöchiger Dunkelheit eine Qual ist, stört gar nicht.

Wie schon bei „Walk the line“ strebt auch in „La vie en rose“ alles auf die eine finale Konzertszene zu. Piafs Chansons, hier teils im Original digital remastered, teils interpretiert von Jil Airgot zu hören, sind natürlich Dreh- und Angelpunkte des Films. Christopher Gunning hat zusätzlich einen stimmungsvollen Soundtrack geschaffen. Bei dem prallvollen Leben, das Piaf gelebt hat, hätte der Film auch nach einem anderen ihrer Erfolge benannt werden können: „Je ne regrette rien“. Er drückt eigentlich alles aus, was diese Künstlerin ausmachte. Und auch ich bedauere nicht, „La vie en rose“ gesehen zu haben. Ganz im Gegenteil.



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INHALT

Edith Piaf: Von ihrer Mutter verlassen, wuchs sie in sehr ärmlichen Verhältnissen bei ihrer Großmutter auf, bis sie 1917 von ihrem Vater Louis zu seiner Mutter in ein Bordell gebracht wurde. Hier konnte sich die junge Edith von ihren Hungerjahren erholen. Fünf Jahre später begleitete sie ihren Vater, einen Artisten, zum ersten Mal auf seiner Tournee. Dort musste sie auch Geld verdienen und begann zu singen. Schon als Kind verfügte sie über eine äußerst ausdrucksstarke Stimme. Ihre Jugend verbrachte Edith auf der Straße und in zwielichtigen Pariser Bars, in denen sie sich durch Singen das Nötigste zum Leben verdiente. In dieser Zeit bekam sie durch den Clubbesitzer Louis Leplée auch ihren Künstlernamen: Môme Piaf – kleiner Spatz.

Ihre erste Platte nahm sie im Alter von 20 Jahren auf. Von da an ging es zumindest finanziell steil bergauf. Von einem glücklichen Leben konnte aber keine Rede sein. Die alkoholabhängige Edith Piaf verlor ihre Tochter, die genau wie sie selbst als Kind an Hirnhautentzündung erkrankte; ihre große Liebe, der Boxer Marcel Cerdan, starb bei einem Flugzeugabsturz; und bei einem schweren Autounfall kam sie beinahe selbst ums Leben. Und schließlich wurde bei der nur 35-Jährigen unheilbarer Krebs diagnostiziert. Viele der folgenden Auftritte, die sie sich nicht nehmen ließ, konnte sie nur unter der Einwirkung von Morphium durchstehen. Edith Piaf starb im Alter von nur 47 Jahren.
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Eure Kritiken zu La vie en Rose

  1. Elisa

    Ein beeindruckender Film, der sehr unter die Haut geht. Die Wahl mit den verschiedenen Zeitsprüngen war genau richtig. Ein würdiges Denkmal für eine große Sängerin.

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