KRITIK

La Grande Bellezza

Plakat zum Film la Grande BellezzaRom. Um ihn herum tobt die Schickeria. Bunga Bunga und Koks, alle nicht mehr jung, aber auf jünger gespritzt. Mittendrin er, Jep Gambardella, legendärer Society-Reporter, ein Michael Graeter (u.a. Bunte) der Ewigen Stadt. 65 Jahre wird er an diesem Tag, und so, wie er da stoisch inmitten des Feiervolks steht, im feinen Anzug, mit gewachstem grauen Haar, sieht man den Ekel in ihm wüten: Was ist aus dem einst gefeierten Jungliteraten geworden? Ein Profiteur der Oberflächenwelt. Hat Rom ihm das angetan, dessen furchtbare Schönheit schon in der ersten Szene einen japanischen Touristen zu Boden streckt?

Seine bildmächtigen, surrealistisch angefixten Tableaus haben dem italienischen Regisseur Paolo Sorrentino für „Il Divo“ bereits eine Oscar-Nominierung eingehandelt – und wie in jenem bösen Andreotti-Film spielt auch diesmal wieder Toni Servillo die Hauptrolle. Sein Jep ist die Spiegelfigur einer von sich selbst berauschten Hedonistenszene, die im Berlusconi-Italien auf Sinn und Moral in grellen Tönen pfeift.

Szene aus dem Film La Grande BellezzaIn assoziativen Episoden streift Jep durchs meist nächtliche Rom, mal auf Dachterrassen, mal in Katakomben, er kreuzt die Wege entlaufener Giraffen, uralter Heiliger, rätselhafter Kinder und nackter Performancekünstlerinnen. Die farbsatte Cinemascope-Inszenierung ist dabei die beste Übersetzung des in seinen Kreisen grassierenden Horror vacui: Erst am Ende flackert, in Gestalt einer Stripperin, Hoffnung auf Nähe auf.

Natürlich ist Jep ein Nachfahre von Marcello Mas­troiannis Gesellschaftsreporter aus Fellinis episodischem Jahrhundertfilm „Das süße Leben“ – Bezüge finden sich in jeder Szene. Doch während jener damals, 1960, mit ersten Zweifeln haderte, tobt in Jep schon die nackte Angst vorm ungelebten Leben. Roms unvergängliche Architektur steht grausam ewig daneben. Sehenswert.

  



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