KRITIK

L. A. Crash

L. A
Die Theorie klingt so schlagend schlicht, dass man sich ihr kaum entziehen kann. „In L.A. berührt dich niemand“, sinniert der schwarze Polizist Graham Waters (Don Cheadle) einmal. „Man ist die ganze Zeit hinter Glas und Stahl. Ich denke, wir vermissen die Berührungen so sehr, dass wir Kollisionen verursachen, nur um etwas zu spüren.“ Es gibt eine Menge Zusammenstöße in diesem Episodenfilm, wobei nicht nur einige lässliche Blechschäden entstehen, sondern vor allem irreparable emotionale Blessuren.

Regisseur Paul Haggis, der das Drehbuch zu Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ verfasst hat, erzählt von zwölf Menschen, deren Wege sich im Rot- und Grünlicht-Bezirk des entseelten Straßengewirrs von Downtown Los Angeles schicksalhaft kreuzen. Sein episodischer Reigen lässt Fremde aufeinander prallen, die nichts miteinander gemein haben – außer der Angst vor einander.

„L.A. Crash“ folgt etwa dem Pfad zweier schwarzer Autodiebe, die sich über Vorurteile erregen, die sie selbst bestätigen. Stoppt bei einem weißen Cop (Matt Dillon), der aus ohnmächtiger Wut heraus ein schwarzes Pärchen demütigt und damit beinahe dessen Ehe zerstört.

Biegt ab zu einem iranischen Ladenbesitzer, der sich als „Osama“ beschimpfen lassen muss und in seinem verletzten Stolz fast eine Katastrophe verursacht.

Stets flackert Rassenhass auf, entlädt sich lange schwelende Aggression, bricht sich die Sehnsucht nach Nähe brutal falsch Bahn.

Haggis, der vor Jahren selbst Opfer eines Autodiebstahls wurde und nicht aufhören konnte, über die Täter und ihre Beweggründe nachzugrübeln, führt dabei ein phänomenales Ensemble zusammen, dessen Wege auf kluge Weise episodisch verbunden werden, ohne dass die Konstruktion kopflastig wirken würde. Sicher werden dabei Erinnerungen an L.A.-Filme wie „Short Cuts“, „Grand Canyon“ oder auch „Magnolia“ wach – zumal Haggis wie Paul Thomas Anderson am Ende ins Märchenhafte schweift. Doch findet der Regisseur einen ganz eigenen, berührenden Ton für diese Stadt der Engel und ihre Bewohner, die sich aus Hilflosigkeit verletzen. Wenn es schließlich in Kalifornien schneit, liegt auch nahe, dass hier die Hölle zufriert.



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INHALT

36 Stunden in L.A.. 36 Stunden im Leben einer Handvoll Menschen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Und doch führt das Schicksal sie zusammen, lässt ihre Wege kreuzen und wieder auseinander gehen, ihre Leben für kurze Zeit in den gleichen Bahnen laufen. Sie sind Bewohner einer Megacity im ganz normalen Ausnahmezustand, hin und her gerissen zwischen Angst, Wut und Verzweiflung und der alles überwindenden Kraft der Hoffnung und des Glücks.
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Eure Kritiken zu L. A. Crash

  1. Udo

    Hallo, schön, dass ihr wieder da seid! Habe den Film in der Preview gesehen. Er ist ein absolutes Meisterwerk, um mal dieses Superlativ zu bemühen. Die Darsteller spielen sich wirklich die Seele aus dem Leib und man hat das Gefühl, das alle Beteiligten lange auf so einen Film gewartet haben. Das erklärt auch die oft die Gegen-den-Typ-Besetzung. Einfack klasse!

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