KRITIK

KussKuss

KussKuss Die Asylproblematik tritt als Teil der politischen Debatte meist nur in Form abstrakter Zahlen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: die Anzahl der Abgeschobenen und Geduldeten. Das große Verdienst des Schweizer Debütregisseurs Sören Senn ist es nun, das Abstrakte der Thematik als verallgemeinerbares Einzelschicksal greifbar zu machen – und zwar als ebenso berührende wie bitter-witzige Alltagstragikomödie. „KussKuss“ ist vor allem so gut, weil Senn auf bemühte Didaktik verzichtet und dafür alle Facetten eines solchen Einzelfalls beleuchtet.

So wirkt das gutmenschelnde Engagement der geschäftigen Assistenzärztin Katja beinahe schon manisch: Sie will der von Abschiebung bedrohten „Illegalen“ Saida (Saida Jawad) aus Algerien unbedingt zur Einbürgerung verhelfen, versteckt sie in ihrer Wohnung und möchte sie sogar mit ihrem Lebensgefährten Hendrik, einem leicht verkrachten Intellektuellen, (schein-)verheiraten. In ihrem blinden Sendungsbewusstsein merkt sie erst sehr spät, dass sich zwischen Saida und Hendrik tatsächlich sehr authentische Gefühle entwickelt haben. Eine Tragödie droht.

Wie politisches Engagement ein radikales Ende finden, wenn das Privatleben in Mitleidenschaft gerät, das erzählt Senn in konzentrierter Regie und mit erfrischend knackigen Dialogen. Mit den bislang eher unbekannten Carina Wiese und Axel Schrick in den Rollen von Katja und Hendrik hat er zudem zwei schwer beeindruckende Hauptdarsteller gefunden: Ihnen glaubt man jede Regung. Sehenswert.



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INHALT

Katja ist Assistenzärztin, Hendrik fummelt seit Ewigkeiten an seiner Doktorarbeit herum. Die beiden leben mehr neben- als miteinander, zwischen Tür und Angel tauschen sie flüchtige Küsse. Als Katja die vom Bürgerkrieg traumatisierte illegale Immigrantin Saida bei sich aufnimmt, strapaziert sie nicht nur die Geduld ihres Partners. Mit ihrem Vorschlag, Hendrik und Saida sollten eine Scheinheirat eingehen, setzt sie Ereignisse in Gang, die sich bald nicht mehr steuern lassen. Denn bei allem Stress hat Katja erfolgreich übersehen, welch inniges Verhältnis sich zwischen ihren beiden Mitbewohnern anbahnt...
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Eure Kritiken zu KussKuss

  1. snooge

    wo die liebe hinfällt…ist ja meist nicht vorhersehbar. Bei diesem Film allerdings schon. Auch die sehr lebensnahe Darstellung der Charaktäre und ihres Lebens machen die sehr vorhersehbare Momente nicht besser… Trotz allem verliert man beim Gucken nicht die Lust am Film und seinen Entwicklungen und ist mit dem offenen und unverhoften Ende sehr zufrieden…

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