KRITIK

Kurzer Prozess

Kurzer Prozess Vor über zehn Jahren, in Michael Manns „Heat“, da saßen sich die beiden erstmals bei einer Tasse Kaffee gegenüber. Robert De Niro und Al Pacino spielten ihre erste gemeinsame Szene, im vollen Bewusstsein der Bedeutungsschwere des Moments.

In „Der Pate II“ war ihnen der gleichzeitige Auftritt noch verwehrt geblieben, aber jetzt, in dieser neonkühlen Gangster-Ballade, kamen sie als Jäger und Gejagter zusammen, um Filmgeschichte nachzuholen, Kräfte zu messen und Tacheles zu reden. „Ich tue, was ich am besten kann, ich drehe Dinger“, sagte De Niros Gentleman-Ganove zu Al Pacinos Cop, „und Sie tun, was Sie am besten können, Leute wie mich davon abhalten.“ Kein Wort zuviel. Große Männerpoesie.

Vielleicht hätten sie es dabei bewenden lassen sollen. Denn in dem Maße, in dem man sich gern an ihr Duell in „Heat“ erinnert, enttäuscht nun ihr Spiel in Jon Avnets „Kurzer Prozess“. Wären die beiden nicht besetzt, man müsste über den Film überhaupt kein Wort verlieren.

Avnet, der einst den Frauenkinoklassiker „Grüne Tomaten“ inszeniert hat und die Medienromanze „Aus nächster Nähe“ mit Robert Redford und Michelle Pfeiffer, versucht sich hier an einem Selbstjustiz-Krimi im New Yorker Polizei-Milieu, der wohl so etwas wie „Internal Affairs“ werden sollte, aber so gähnend langweilig geraten ist wie einer dieser DVD-Bonus-Tracks, in dem die Schauspieler erzählen, dass sie noch nie so viel Vergnügen an einem Dreh hatten und der Regisseur immer gut vorbereitet am Set erschien.

De Niro und Pacino spielen mit der gegebenen Routine ihrer Jahre die Cops Turk und Rooster, die eine Mordserie an Drogendealern, Vergewaltigern und anderen Verbrechern aufklären sollen, wobei der Verdacht bald auf De Niros verbitterten Loner Turk fällt. Den hat man zu Beginn auch bereits ein Geständnis ablegen sehen, da erzählt er einer Videokamera, dass er 14 Morde begangen habe. Aber dass es sich dabei nicht um die ganze Wahrheit handelt, darf verraten werden. Überraschungen nämlich hält Avnets mit Kaufhaus-Rock unterlegte Rückblenden-Story ohnehin nicht bereit.

Es ist ja durchaus nicht so, dass man De Niro oder Pacino als überlebte Stars einer verblühten Ära abschreiben müsste, im Gegenteil. De Niro etwa hat ja erst unlängst mit seiner eigenen Regiearbeit „Der gute Hirte“ bewiesen, welches Können er noch immer besitzt. Aber was die beiden an einem Drehbuch gereizt haben mag, dass ihnen nichts als ein paar markige Sprüche und Figuren ohne jede Tiefe bietet, bleibt absolut rätselhaft.



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INHALT

Turk und Rooster, zwei altgediente Cops in New York, verfolgen die Spuren eines Killers, der eigenmächtig und tödlich das Recht selbst in die Hand nimmt. Als Vergewaltiger, Gangster und Dealer, die die Justiz nicht festsetzen konnte, für ihre Taten bluten müssen, gerät auch Turk in Verdacht. Denn der notorische Hitzkopf spielt im Kampf gegen das Verbrechen zunehmend nach eigenen Regeln.
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Eure Kritiken zu Kurzer Prozess

  1. Dosabus

    Tja, wer ist nun der Mörder? Interessanter wäre es allemal zu fragen: wer ist Al Pacinos Friseur?
    Denn dieses Verbrechen bleibt bis heute im Dunkeln, während man in Kurzer Prozess schon nach kurzer Zeit eine ziemlich gute Ahnung hat, wer der Killer sein könnte.
    Wenn ein Film mit einem sog. „Twist“ überraschen möchte, dann bitte nicht auf die Art und Weise, dass man von Anfang weiß, dass einer kommt. Ein guter Twist deutet sich nicht an.
    Aber nicht nur hier versagt Kurzer Prozess. Er lässt uns mit einem Gefühl zurück, als hätten wir ein ewig langes Musikvideo gesehen, zu keinem Zeitpunkt wird Sympathie zu den Hauptfiguren aufgebaut und die Geschichte ist ein einziges Mosaik.
    Aber wer weiß, vielleicht ist das mit Kultfilmen so, vielleicht erkennen wir erst in 10 Jahren das Potential dieses Films.
    De Niro und Pacino ist es zu wünschen.

  2. RobbyTobby

    Ein sehenswerter Thriller mit ohne Frage überzeugenden Darstellern. Neben den beiden Superstars geben sich anscheinend die übrigen Darsteller besonders viel Mühe. Den Eindruck hat man zumindest. Dennoch gibt sich in der Tat der Regisseur große Mühe, diesen Film zu verhunzen. Ein Michael Mann hätte daraus sicherlich einen besseren Thriller geMACHT.

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