KRITIK

Krieg des Charlie Wilson, Der

Krieg des Charlie Wilson, Der Obwohl man es ja besser wissen müsste, weil man Politiker kennt, hält man Weltpolitik doch nach wie vor für ein wahnsinnig kompliziertes, professionelles Geschäft. Die größte Qualität von Mike Nichols` Film besteht darin, dass er diese Illusion gewaltig erdet. Er zeigt, was sich hinter den Kulissen geschichtsträchtiger Ereignisse abspielt: Ein paar Männer sitzen zusammen und zocken ein bisschen.

Einer von ihnen ist Charlie Wilson, in dessen Büro es aussieht, als wäre der „Playboy“ lebendig geworden – eine Sekretärin schöner als die andere. Was insofern pikant ist, als der Mann, der die Frauen liebt, den Whiskey und das Koks, Kongressabgeordneter aus Texas ist. Er sitzt im Ethik-Ausschuss, auch in dem für militärische Geheimoperationen.

Tom Hanks spielt diesen Party-Politiker, allerdings auf der sicheren Seite. Denn Regie-Veteran Mike Nichols („Die Reifeprüfung“) erzählt dann doch von einer anderen Passion Charlies, der sich einen überzeugten Liberalen nennt. „Nicht, wo`s drauf ankommt“, entgegnet ihm einmal seine Geliebte, die von Julia Roberts gespielte Millionärin Joanne, und gibt ihm einen Klaps auf den Po.

Wilson beginnt Anfang der 80er, sich für die Sowjets in Afghanistan und das Leid der Zivilbevölkerung zu interessieren. Und weil er über gute Drähte verfügt, setzt er die größte Geheimoperation des Kalten Krieges in Gang, um die Mudschaheddin aufzurüsten – mit bekannten Konsequenzen.

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten, was für Filmemacher selbstverständlich auch eine Einladung zum besonders schamlosen Lügen ist. Schwach ist Nichols` dialogreiche Polit-Groteske dort, wo – befeuert von Gräuelbildern aus Flüchtlingslagern – die Erfolgsgeschichte im Kampf gegen die Russen erzählt wird.
Stark sind die als Schelmenstück inszenierten diplomatischen Volten, wobei Philip Seymour Hoffman („Capote“) als cholerischer CIA-Agent ein grandioses Ekel sein darf. Anders als Wilson. Vielleicht aus Rücksicht auf den echten Charlie, der noch immer lebt. Mit einem Spenderherz.



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INHALT

Charlie Wilson ist eine Legende in Washington, weil er das Leben eines Abgeordneten und das eines Playboys in Einklang bringt. Doch seine größte Leistung bewirkt er im Verborgenen. Mit Hilfe eines CIA-Agenten treibt er das kleine Geheimdienstbudget zur Unterstützung der Mudschahedin im Kampf gegen die Sowjets in gewaltige Höhen. Doch damit sät er die Saat, aus der in Afghanistan Amerikas erbittertste Feinde keimen werden.
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