KRITIK

Krieg der Welten

Steven Spielberg, Film-Visionär und Regie-Großmeister, hat sich mit seiner 24. Regiearbeit einmal mehr der „Unheimlichen Begegnung mit der dritten Art“ angenommen. Nach seinen vorangegangenen Ausblicken in die Zukunft – mit Filmen wie beispielsweise „E.T.“ oder „Minority Report“ – ist die hier auftauchende Begegnung nun alles andere als den Menschen freundlich gesonnen. Grundlage für diese Filmapokalypse ist der gleichnamige Sci-Fi-klassiker von H. G. Wells aus dem Jahre 1898. Ein Buch, das erstmals am 30. Oktober 1938 die amerikanische Bevölkerung in Angst und Schecken versetzte, als Schauspieler und Regisseur Orson Welles eine etwas zu authentische Version der Geschichte über das Radio verbreitete. Ganz ungewohnt für Spielberg, dass er sich nun einer Geschichte annimmt, die zudem im Jahre 1953 schon einmal verfilmt wurde. Wie in der Verfilmung durch Byron Haskin spielt die Handlung in der amerikanischen Provinz, zwischen Newark und Boston. Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit, die beide Verfilmungen verbindet.

Drehbuchautor David Koepp („Jurassic Park“) verlegte die über hundert Jahre alte Buchvorlage in das heutige Amerika. Aber abgesehen von einigen Utensilien, mit denen sich die Kinder der Familie Ferrier, um die es hier gehen soll, beschäftigen, wie zum Beispiel I-Pod oder Papas Ford Mustang, verpflichten sich Drehbuchautor und Regisseur bewusst dazu, die Geschichte im Gewand der Fünfziger Jahre zu belassen. Das wird neben dem Schauplatz (amerikanische Provinz) vor allem an dem spielbergiesken Verständnis von Grundwerten wie der Stellung der Familie in der Gesellschaft und der moralischen Verpflichtung einer Zurückhaltung allen Fremden gegenüber sehr deutlich.

Die Familie bilden hier der verlassene Familienvater Ray Ferrier (um Zurückhaltung bemüht: Tom Cruise) und seine Kinder Robbie (trotzig: Justin Chatwin) und Rachel (Drew Barrymore-Klon Dakota Fanning). Während die Aliens die strategische Ausrottung der Menschheit vollziehen, kämpft Tom Cruise ums Überleben seiner Familie. Schließlich hatte er dies seiner Frau versprochen (kurz vor dem Auftauchen der außerirdischen Tripods, der dreibeinigen Ausrottungsmaschinen). Tom Cruise ist fortan um den familiären Zusammenhalt bemüht, was einige wenige eindrucksvolle Szenen hervorruft. Teenager-Sohn Robbie beispielsweise ist von Anfang an auf Konfrontation aus, was er den Vater in jeder Situation spüren lässt. Erst als der Sohn – blind geworden durch den Wunsch, Anteil zu nehmen am Kriegsgeschehen – nicht mehr zu halten ist, muss der Vater seinen Sohn ziehen lassen, um sich fortan um seine Tochter zu kümmern.

Dakota Fanning ist als selbstbewusste Tochter Rachel herausragend besetzt. Doch ihr wird die schwierige Aufgabe zuteil, einzig durch ihre Mimik und ihre teilweise hysterische Gestik die ganze Hilflosigkeit der Menschheit gegenüber der Alien-Invasion wieder zu spiegeln. Allzu oft „klebt“ die ansonsten sehr zurückhaltende Kamera von Janusz Kaminski am Gesicht von Dakota Fanning, die zudem sehr an die herzerwärmende Drew Barrymore aus E.T. erinnert. Dem Zuschauer wird so die Wucht der Zerstörung durch Kinderaugen ins Unterbewusstsein gehämmert. Lag es daran, weil Spielberg die Ideen ausgegangen sind, die Zerstörung durch die Aliens in adäquate, moderne Bilder zu fassen?

Der ganze Look, die Raumschiffe, die metallischen Maschinen, erinnern sehr stark an Roland Emmerichs „Independents Day“, dem, mag man den zahlreichen Filmkritikern Ende der 90er Jahre Glauben schenken, besten B-Movie der Filmgeschichte. Für die vielen logischen Fehler der Geschichte (wie lässt es sich erklären, dass die Aliens in einer dramatischen Hausverfolgungs-Szene zwar über Massenzerstörungswaffen, nicht aber über Bewegungsmelder verfügen?) kann Spielberg nicht kritisiert werden, zu sehr hält er sich an die Original-Geschichte von H. G. Wells und an die Verfilmung aus den 50ern. Doch dass er seine Verfilmung in das heutige Amerika verfrachtet, von einer zerrütteten Familie erzählt und die Geschichte sowohl inhaltlich als auch ästethisch im Look der 50er präsentiert, dass zeigt von mangelndem Feingefühl gegenüber dem Medium Film. Und nicht nur das. Krieg der Welten ist bestenfalls belanglose Familienunterhaltung.

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INHALT

Eine außerirdische, den Menschen technologisch weit überlegene Macht hat es auf den Planeten Erde abgesehen und plant die totale Invasion. Harmlose amerikanische Familien wie die Ferriers sehen sich plötzlich einem eiskalten Feind gegenüber und müssen in den Krieg der Welten ziehen, in dem ihre Siegeschancen verschwindend gering sind.
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Eure Kritiken zu Krieg der Welten

  1. TomKrus

    Bombastisch, auf ganzer Linie! Unbedingt ansehen!

  2. eowyn

    Durchschnitt? Nein, Spielberg at its best. Selten habe ich mich so bei einem Spielberg-Film gefürchtet. Cruise und Fanning waren klasse, die Effekte atemberaubend, sollte man nicht verpassen!

  3. Siggi

    Hallo, nette Seite. Ich teile die Meinung hier und war auch enttäuscht. Spielberg hat schon bessere Filme gemacht, wird er auch wieder machen. Dakota Flenning hat mich genervt..

  4. Lars

    Coole BewertungHallo, eine neue schöne Möglichkeit habt ihr hier, eine Bewertung abzugeben -Glückwunsch! Zum Film: Ich teile die Meinung des Filmkritikers hier und fand den Film auch nur mäßig gut. Es war einfach zu viel gekreische, trotzige Kinder und Familienpathos zu sehen.

  5. Detlef74

    Hey, das ist ja super mit den Bewertungsbutton! Habe mir trotz vieler schlechter Kritiken (wie auch hier) mal den neuen Spielberg angetan. Er ist ja echt nicht so toll. Ich fande aber auch Cruise ziemlich schlecht. Der hat doch nur zwei Gesichtsausdrücke drauf.. Neee, das kann das Duo Cruise/Spielberg (Minority Report) besser…

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