KRITIK

Krieg der Knöpfe

Plakat zum Film Krieg der KnöpfeYves Roberts 1962er Kino-Version von Louis Pergauds „Krieg der Knöpfe“ gehört zu den ewigen Klassikern des französischen Kinos. Jedes Kind in Frankreich kennt die Geschichte. Aber Neuverfilmungen haben da einen schweren Stand. Im letzten Jahr jagten sich in den gallischen Kinos gleich zwei Remakes die Besucher ab – und das kommerziellere von beiden kommt nun auch zu uns.

Dessen wesentliche Neuerung: Das Geschehen um zwei rivalisierende Kinderbanden aus zwei benachbarten Dörfern in der französischen Provinz wurde in das Jahr 1944 versetzt, also ins von den Nazis besetzte Frankreich. Dadurch weicht der eigentlich satirische Grundton des Buches (und auch des Robert-Films), der den Kinderkrieg als Beispiel im Kleinen für Konflikte im sozialen Großen sah, einer sehr viel ernsteren Fragestellung: Was ist schon ein Krieg der Knöpfe gegen den Holocaust? Es bleibt also nicht bei den gewohnten Bandenkeilereien, deren Beute die abgeschnittenen Hosenknöpfe der Gegner sind.

Szene aus dem Film Krieg der KnöpfeEs kommt ein jüdisches Mädchen ins Dorf, dem ein lokaler Nazi-Kollaborateur nach dem Leben trachtet. Im Finale verbünden sich dann die Knopfkrieger im Kampf gegen den schlimmeren Feind. Dieser gewagte Eingriff in Pergauds Fabel wäre sicher nicht ohne Reiz – wenn Regisseur Christophe Barratier nicht alle Anarchie, allen Witz und allen Schrecken seinem Hang zum Pittoresken untergeordnet hätte.

Spätestens seit seiner Varieté-Schnulze „Paris, Paris“ gilt Barratier als nostalgienärrischer Vertreter eines kantenlosen Wellness-Kinos, von dem sich Truffaut, Chabrol oder Godard schüttelnd abgewandt hätten: sonnige Wiesen zu kitschiger Musik, hehre Gefühle in einem Vichy-Frankreich, das nur edle Résistance-Dörfler zu kennen scheint (unter anderem vertreten durch Laetitia Casta und „Sh’ti“-Star Kad Merad). Die poetische Rotzigkeit des Originals spielte da in einer ganz, ganz anderen Liga.

  



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INHALT

Frankreich 1944: Die Jungen aus den französischen Dörfern Longeverne und Velrant waren sich noch nie besonders wohl gesonnen. Doch nachdem in einer Auseinandersetzung die Worte "ihr Schlappschwänze!" fielen, herrscht Krieg zwischen den Kindern. Der Anführer der Longeverne-Bande, Lebrac (Jean Texier), ersinnt eines Tages eine besondere Art der Bestrafung: Den Unterlegenen werden sämtliche Knöpfe ihrer Kleidung abgeschnitten, so dass häuslicher Ärger vorprogrammiert ist.
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