KRITIK

Kreis, Der

Kreis, Der Kongenial setzt Regisseur Jafar Panahi iranische Frauen ins Bild, wie sie klein gemacht und gedemütigt werden. Mal mit Handkamera, mal mit langen Einstellungen und teilweise wie eine Sozialreportage stellt er die locker verbundenen zahlreichen Gesichter der Unterdrückung dar. Still ist seine Klage in dem preisgekrönten Werk. Aber in der Beobachtung der verschiedenen Charaktere nähert er sich eindringlich der lautlosen Verzweiflung, dem (fast) unsichtbaren Aufbegehren dieser Frauen.
Poetische Momente werden mit der „Wirklichkeit“ verbunden, wenn z.B. das heimatliche Paradies von Arezou auf einem kitschigen Ölgemälde in einem Basar abgebildet ist. Doch entspricht das Bild nicht der Wirklichkeit vor Ort, der Traum vom Ausbruch geht nicht in Erfüllung. Die Anklage einer bigotten Gesellschaft, in der ein Mitglied der Pasdaran („Revolutionswächter“) eine Frau bittet, telefonisch den Kontakt mit der Geliebten herzustellen, ohne etwas dabei zu (emp)finden, verharrt nicht in der Resignation. Müssten nicht die Männer auch solidarisch mit den Frauen sein, wie jener Mitgefangene im Bus, der den Milizionären erfolgreich Zigaretten anbietet, so dass auch die einkassierte Prostituierte mitrauchen kann?
Die Liebesdienerin landet im Gefängnis, geht bis zum Fenster, und die ZuschauerIn glaubt, sie sei alleine im Raum. Die Kamera fährt die ärmlich wirkenden Wände entlang: da tauchen noch mehr Frauen auf. Ein Polizist ruft durch das geöffnete Sichtfenster der Tür eine heraus, die aber offenbar nicht anwesend ist und schließt mit der Klappe zugleich den Kreis.
Der Kreis, ein engagierter Film, der auch denjenigen verständlich sein wird, die sich mit der Situation der Frauen im Iran nicht genau auskennen. Ein Film, der ohne Pathos und etwas Humor weibliche Perspektiven in der patriachalen Gesellschaft Irans zeigt. Kein Wunder, dass er dort auf dem Index steht. Wenn Filme das genaue Hinsehen schärfen und nicht nur belanglos unterhalten sollen, ist dieser Film ein ergreifendes Beispiel. Rainer Bach



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INHALT

Während auf schwarzem Hintergrund der Vorspann läuft, erklingen Stimmen und Schreie - und ohne der Originalsprache mächtig zu sein, erahnt der Zuschauer, worum es geht: ein Kind wird geboren. Dann geht das Sichtfenster einer Tür auf, eine Krankenschwester erzählt, dass es ein Mädchen sei. Die Klappe geht zu. Da klopft die Großmutter nochmals an und fragt ungläubig, ob es denn wirklich ein Mädchen sei, da das Ultraschallbild doch einen Jungen versprochen hätte und ihr Schwiegersohn sich sofort von ihrer Tochter scheiden ließe, wenn es kein Junge sei. Das käme wohl manchmal vor, dass sich das Geschlecht nicht deutlich festmachen könne, entgegnet die Krankenschwester. Ob man denn da nichts machen könne, fragt verzweifelt die alte Frau, da kommen schon die ersten Verwandten des Schwiegersohns zu Besuch.
In kleinen Episoden folgen Einblicke in das Leben von Frauen, die sich am Rande der iranischen Legalität bewegen. Ein Tag und eine Nacht in Teheran. Drei ausgebrochene Gefangene, selbstbewusst und doch beengt, Pari, unverheiratet und schwanger, Nayereh, die ihr ihre kleine Tochter woanders unterbringen möchte; eine Ex-Gefangene, die diese Seite ihres Lebens nicht ihrem pakistanischen Mann sagen kann, eine Prostituierte. Alle verbindet der Wunsch, auszubrechen aus dem Kreislauf, der Frauen in ein bestimmtes Lebens- und Verhaltensmuster drängt. Der Schador, der noch über das Kopftuch gelegt werden muss, die meist gesenkten Blicke und viele Einschränkungen der Bewegungs- und Handlungsfreiheit. Neben dem Verbot für Frauen in der Öffentlichkeit zu rauchen, oder ohne Begleitung oder Studentenausweis alleine zu reisen oder ein Hotelzimmer zu mieten, wird an vielen Punkten immer wieder deutlich, dass Frauen kaum etwas zählen. Was bleibt auch anderes übrig, als sich mit der Zweitfrau des Mannes gut zu stehen, sie sogar nett zu finden?
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