KRITIK

Krabat

Krabat In der heute nur noch schwach erinnerlichen Zeit vor „Harry Potter“ lasen an Zauberei inszenierte Jugendliche dieses Buch: „Krabat“. Geschrieben hat es 1971 Otfried Preußler, und er persönlich hat den Produzenten dieser Verfilmung jüngst seinen erlauchten Segen erteilt.

Tatsächlich holt Regisseur Marco Kreuzpaintner („Trade“) die Story aus der ostsächsischen Sagenwelt relativ unbeschädigt herüber in die Gepflogenheiten des heutigen Fantasyfilms. Dabei überrascht die Ernsthaftigkeit, mit der sich Preußlers düster-dräuender Erzählkosmos auch auf der Leinwand wiederfindet.

So landet der 14-jährige Waisenjunge Krabat (David Kross aus „Knallhart“) auch hier als einer von zwölf Gesellen in jener geheimnisvollen Mühle im Oberlausitzer Köselbruch bei Hoyerswerda, in der nicht nur das Müllern, sondern auch die „Schwarze Kunst“ gelehrt wird. Die Welt ist durch den Dreißigjährigen Krieg verheert, und die Ausstatter erschufen nach Kräften eine denkbar trostlose, schmutzstarrende Atmosphäre: Dreck und Frostbeulen überall.

Im Mittelteil, wenn der sanfte Altgeselle Tonda (gut: Daniel Brühl) dem Verjüngungszyklus des bösen Meisters (Christian Redl) geopfert wird und Gevatter Tod sein spezielles Mahlgut bringt, wirkt der Film fast depressiv. Hier zeigt sich der Unterschied zu gängiger US- Fantasyware am deutlichsten: „Krabat“ ist nah am Horror und nichts für die Kleinsten.

Trotzdem inszenierte Kreuzpaintner kein Effektspektakel. Es gibt zwar die Raben-Metamorphose der Gesellen samt entsprechender Flugszenen über dem sächsischen (gespielt vom rumänischen) Forst, und als Zugeständnis an heutige Seherwartungen muss man eine alberne „Matrix“-Actionnummer werten, in der die Müllersburschen in Zeitraffer und Zeitlupe gegen marodierende Soldaten kämpfen. Doch diese Szenen wirken recht fremd in dieser dunklen Geschichte.

Von der Verführbarkeit der Macht erzählt die Mär von Preußler (Jahrgang 1923), und Krabat muss sich am Ende zwischen dunkler Magie und lichter Liebe entscheiden. Ein archaischer Konflikt in einem angenehm altmodischen Fantasyfilm – der auf Otto Sanders bassknarzende Erzählstimme übrigens gut hätte verzichten können.



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INHALT

Der 14-jährige Bettelknabe Krabat beginnt eine Lehre bei einem Müller. Dort lernt er nicht nur die Arbeit, sondern mit elf weiteren Müllersgefährten auch die Schwarze Kunst. Dieses Wissen können die Lehrlinge gut brauchen, denn bald müssen sie sich gegen einen bösen Zauberer zur Wehr setzen. Die Hilfe eines jungen Mädchens kommt dazu gerade recht.
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