KRITIK

Korankinder

Korankinder Misstrauisch werden sie beäugt, manchen gelten sie als Keimzellen des Terrorismus. Aber wie es wirklich in den Koranschulen der islamischen Welt aussieht, darüber ist im Westen so gut wie nichts bekannt.

Dokumentarfilmer Shaheen Dill-Riaz, dem bereits 2007 mit „Eisenfresser“ eine herausragende Dokumentation gelungen ist, ist es nach mühsamer Vorarbeit geglückt, mit der Kamera in einige dieser Medrasas seines Heimatlandes Bangladeschs eingelassen zu werden. Auf dem Stundenplan steht tatsächlich nichts anderes als der Koran, dessen 6234 Verse es auswendig zu lernen gilt – was die absurde Pointe hat, dass die Kinder, größtenteils des Arabischen unkundig, gar nicht verstehen, was sie lernen.

Dill-Riaz, selbst Muslim und seit 1992 in Deutschland beheimatet, nähert sich parteilos und vorurteilsfrei dem Leben innerhalb dieser Schulmauern, wo die Kinder auch wohnen. Sein Film hinterfragt kritisch die strenge Disziplin, die dort herrscht – aber zugleich entzieht er Ressentiments den Nährboden.



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INHALT

In seinem persönlichen Film gewährt Shaheen Dill-Riaz ungewöhnliche Einblicke in die Welt der Koranschulen, sogenannter Madrasas, in seinem Heimatland Bangladesch. Das arabische Wort "Koran", erklärt der Regisseur gleich zu Beginn des Films im Voice Over, bedeutet "Rezitation". Und so rezitieren die Schüler täglich über Jahre hinweg die 6.234 Suren des Korans. Es ist ein ermüdendes Auswendiglernen, denn den Sinn der arabischen Verse verstehen die Bengali sprechenden Kinder nicht. Doch für die Söhne armer Familien, die sich hier kostenlos zu einem "Hafiz", einem Koranlehrer, ausbilden lassen können, bietet der erfolgreiche Besuch einer Madrasa oft den einzigen Ausblick auf eine bessere Zukunft. Stehen sie jedoch die autoritäre Schulzeit nicht durch, sind ihre Berufschancen schlecht, denn säkulares Wissen wurde ihnen dabei nicht vermittelt.
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