KRITIK

Königreich der Himmel

Königreich der Himmel

Dies ist die Geschichte eines armen Hufschmieds, der nichts als Pech hat. Und es ist die Geschichte einer mythischen Stadt, in der kein Friede einkehrt. Wie es die höheren Mächte wollen, sind beider Schicksale untrennbar miteinander verwoben.

Ridley Scotts Abenteuer-Epos „Kingdom of Heaven“, eine vor Ausstattungsopulenz überbordende Kreuzritter-Mär, erzählt vom braven Handwerker Balian (Orlando Bloom), der im Jahre 1187 in einem französischen Dorf lebt und den Tod seines Kindes sowie den Selbstmord seiner Ehefrau verwinden muss. Ein Geächteter, dem zu allem Überfluss sein nie gekannter Vater in Gestalt des noblen Godfrey von Ibelin erscheint, den ein blasser Liam Neeson als mittelalterlichen Ehrprediger im christlichen Kämpfergewand vorstellt.
Godfrey lädt seinen unehelichen Sohn ein, ihm nach Jerusalem zu folgen, wo die heiligen Stätten von Juden, Moslems und Christen in einem fragilen Religionsfrieden gehütet werden. Der leprakranke Christen-König Balduin (Edward Norton), der sein Gesicht hinter einer silbernen Maske verbirgt, regiert dort weise, er ist auf Waffenstillstand und Eintracht mit dem übermächtigen Muslimen-Heer der Sarazenen und ihrem Anführer Saladin (Ghassan Massoud) bedacht, was jedoch von fanatischen Templern sabotiert wird, die im Namen Gottes Krieg führen wollen. Der König stirbt, die Fundamentalisten gewinnen die Oberhand, und es wird an Balian sein, die Mauern Jerusalems gegen die Araber zu verteidigen.

Nun hätte man von einem Kino-Blockbuster, der im Trauma-Klima des stolzverletzten und schlachtenfreudigen Bush-Amerika entstanden ist, Schlimmes befürchten können, die Helden-Saga eines wackeren Kämpfers wider die islamische Mordlust etwa. Doch Ridley Scott, der sich nach dem Sandalen-Schinken „Gladiator“ erneut einen überreich kostümierten Historien-Stoff vorgenommen hat, ist fast pedantisch auf Gerechtigkeit für alle Glaubensbrüder im Geiste bedacht. Befeuert vom humanistischen Toleranz-Gedanken einer Lessingschen Ring-Parabel zeigt er gute Menschen auf allen Seiten, schlägt bisweilen gar einen belehrenden Prediger-Ton an.

Doch in der himmelverhangenen Atmosphäre von Endzeit-Melancholie wird immerhin schlagend die Sinnlosigkeit des fortgesetzten Kampfes um die heilige Stadt bebildert. „Was ist Jerusalem wert?“, fragt da Balian. „Nichts, alles“, lautet die Antwort.

Trotz mancher Schwächen des Films, zumal in einer Liebesgeschichte, steht am Ende des Kreuzzugs eine klare Weltverbesserungs-Botschaft: Schwerter zu Pflugscharen!



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INHALT

Der junge französische Schmied Balian staunt gegen Ende des 12. Jahrhunderts nicht schlecht, als man ihm kurz nach dem Tod von Frau und Kind eröffnet, er sei der uneheliche Sohn des berühmten Ritters und Kreuzzughelden Godfrey von Ibelin. Balian begräbt seinen Kummer und folgt dem Vater nach Jerusalem, wo der ohnehin brüchige Religionsfriede zwischen Moslems, Juden und Christen gerade neuen, nachhaltigen Proben ausgesetzt ist.
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Eure Kritiken zu Königreich der Himmel

  1. Philipp

    Wummsiger Ritterfilm, humanistisch verbrämtRidleyScott interessiert sich, was das Filmemachen angeht, offenbar mehr für Spezialeffekte und Schlachten als für plausible Charakterentwicklung und Geschichtenerzählen. Eva Green kommt nach einem furiosen Anfang klar zu kurz. Dennoch ein unterhaltsamer Film mit Völkerverständigungsbotschaft.

  2. Detlef74

    Klasse, was hier…Regisseur Ridley Scott wieder einmal auf die Leinwand wuchtet. Ich habe mich in erster Linie auf Orlando Bloom gefreut.. Und wurde nicht enttäuscht.. Eine klasse Leistung des neuen Superstars. Eva Green war ok, alle anderen Darsteller gingen in den zahlreichen Schlachtenszenen etwas unter.. Sehenswert!

  3. Zarah

    Was für ein Film, was für ein Mann. Schön, dass frau auf dieser Seite mal schreiben kann. Ohne die Filme von dem Regisseur zu kennen, habe ich mir mal diesen Ritterfilm angesehen. Orlando Bloom ist einfach klasse!

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