KRITIK

König von Deutschland

Plakat zum Film Koenig von DeutschlandWie sieht er aus, der Durchschnitts-Deutsche? Er trägt eine randlose Brille, die Strickjacke überm Wohlstandsbauch, strebt mit Frau und Sohn ein Eigenheim an, und wenn er sich was wünschen dürfte, dann wären das Bierflaschen mit Drehverschluss. Sein Name: Thomas Müller. Sein Nummernschild: NO-RM 0815.

In diesem Hochschulabschlussfilm von David Dietl ist derjenige der „König von Deutschland“, der die statistische Mitte der Gesellschaft deckungsgleich verkörpert. Deshalb auch drängt sich in Müllers soeben durch Jobverlust erschütterte Durchschnittsexistenz bald der smarte Stefan Schmidt (Wanja Mues). Unter Vortäuschung falscher Tatsachen bietet er Müller einen neuen Job an, in dem er eigentlich nur Fragen beantworten und Dinge einschätzen soll.

Eigentlich ganz easy. Und Müller dämmert´s erst langsam: Schmidt zapft seine Mittelsicht der Dinge gezielt an, um Unternehmen ebenso wie den Politiker Kister auf die Spur dessen zu bringen, was Normalodeutschland so gemeinhin dufte findet. Was eine garstige Satire über populistische Volksvertreter und die zweifelhafte Macht der demoskopischen Forschung hätte werden können, kommt unter David Dietls Regie leider kaum über laues Kabarett hinaus. Zwar punktet er mit vielen schön beobachteten Details, doch immer dann, wenn es scharf werden und tiefer schürfen könnte, fehlt die Pointe.

Dietls Vater ist übrigens „Schtonk“-Regisseur Helmut Dietl, was wohl auch die prominente Besetzung erklären mag (darunter Veronica Ferres, die als Müllers Frau einen hübsch biestigen Auftritt hinlegt). Absoluter Star dieser zum Schluss doch recht stark an die „Truman Show“ mit Jim Carrey erinnernden Comedy ist aber natürlich Olli Dittrich: Auch wenn er hier vom Abgrund seines „Dittsche“ Abstand halten muss, ist sein allmählich immer weniger argloser Mann ohne Eigenschaften jederzeit sehenswert.

  



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*