KRITIK

Königin und der Leibarzt, Die

Plakat zum Film König und der LeibarztEs ist die Zeit um 1770, in Dänemark herrscht noch bleierner Absolutismus. Aus taktischen Gründen wird Caroline Mathilde aus dem britischen Hochadel mit dem grenzdebilen König Christian VII. vermählt. Die Regierungsgeschäfte führt ein Rat intriganter Herren, während der Regent diversen infantilen Späßen nachgeht. Bald werden aufklärerische Ideen an den Hof gebracht – durch Johann Friedrich Struensee. Als Berater und Leibarzt des Königs gewinnt der Stadtphysikus aus Altona erstaunlichen Einfluss, so dass er aus dem Hintergrund für Reformen sorgen kann. Dummerweise schwängert er dabei auch die Königin. Das kostet ihn den Kopf.

Wer Per Olov Enquists aufwühlenden Roman „Der Besuch des Leibarztes“ über die historische Struensee-Affäre gelesen hat, wird von dieser filmischen Variante vermutlich enttäuscht sein. Wo von Irrsinn, Revolution und fataler Leidenschaft die Rede ist, inszeniert Regisseur Nicolaj Arcel (Drehbuchautor der „Millennium“-Trilogie) in gemäßigtem Tonfall, ganz so, als habe er nicht großes Kino im Sinn, sondern irritationsfreies Kostümfernsehen. Nie wird ersichtlich, warum gerade jetzt genau diese Geschichte vor die Kamera kommen musste: Ein neuer Ansatz fehlt.

Szene aus dem Film Der Koenig und der LeibarztDas große Plus des Films ist – wieder einmal – der dänische Weltstar Mads Mikkelsen, der Struensee in bewährt schmallippiger Weise zum gravitätischen Ruhepol in den Wirren der Geschichte macht. Alicia Vikander als Königin und der reichlich übertrieben agierende Mikkel Boe Folsgaard als irrlichternder König fallen dagegen ab: Dass ausgerechnet Folsgaard den Darstellerpreis und das routinierte Drehbuch den Silbernen Bären ergattern konnten, gehörte zu den seltsamsten (von vielen seltsamen) Jury-Entscheidungen bei den Internationalen Berliner Filmfestspielen 2011.

  

Kritikerspiegel Königin und der Leibarzt, Die



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Lida Bach
u.a. film-zeit.de, kino-zeit.de, titel-magazin
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
5.5/10 ★★★★★½☆☆☆☆ 


 



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