KRITIK

Königin der Wüste

Bild (c) 2015 PROKINO Filmverleih.

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Werner Herzog ist mit Klaus Kinski durch den Dschungel gezogen, er hat in seinen Dokus lauter verwegene Abenteurer porträtiert – nur weibliche Protagonistinnen gab es noch nicht im Werk dieses bajuwarischen Regieveterans. Die „Königin der Wüste“, die als Diplomatin, Spionin, Forscherin und Abenteurerin zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgedehnte Reisen durch den arabischen Raum unternahm und nach dem Ersten Weltkrieg maßgeblich an den politisch-geografischen Neuordnungen in der Region beteiligt war – sie ist Herzogs erste Filmheldin.

Auf der Berlinale des Jahrgangs 2015 war der Spott jedoch groß: Eine kitschige Wüstenseifenoper habe Herzog da abgeliefert, hieß es allerorten, mit spektakulären Panoramabildern zwar, die „Lawrence von Arabien“-Regisseur David Lean nicht schöner hinbekommen hätte. Doch das episodische Nacheinander der Reiseerlebnisse bleibe blass, und die tragischen Romanzen am Wegesrand der Erzählung könnten in einer Pilcher-Schmonzette kaum besser aufgehoben sein. Und Nicole Kidman? Die reite in der Titelrolle anmutig wackelnd auf einem Dromedar durch die orientalische Weite, parliere hier mit einem Scheich, lächle dort einem Emir zu und ertrüge noch den härtesten Sandsturm stoisch und ohne Schaden für Make-up und Frisur. Und wo die Story kaum Zug entwickle, dröhne stattdessen der Walle-Walle-Streicher-Soundtrack.

Szene_Koenigin_WuesteLetztlich stimmt das alles – jedoch nur, wenn man mutwillig über den gewissen Herzog-Touch hinwegsieht, der sich auch in „Königin der Wüste“ an allen Ecken manifestiert. Wenn Herzog schließlich eine Lovestory zeigen will – dann richtig. Und wenn er Abenteuer drehen will – dann richtig. Das hat schon fast parodistische Züge, wenn etwa die Kamera vom Weg abstreift und kreischende Geier und blökende Kamele in den Blick nimmt, oder wenn das Balzen des Spielers Cadogan (James Franco) um Gertrude so wirkt, als spiele da jemand mit ironischem Unterton alte Hollywoodklassiker nach. Das hat seinen Reiz, doch man muss schon konstatieren, dass viele, nein, sehr viele Zuschauer dieser „Königin der Wüste“ ratlos gegenüberstehen werden.

 

 

 



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