KRITIK

Knight and Day

Knight and Day Sommerzeit im Kino heißt Komödienzeit. Wenn die Sonne draußen lacht, wünschen sich viele Kinogänger, dass drinnen bei Popkorn und Eis vor allem der Lachmuskel gereizt und das Herz erwärmt wird. Komödien haben im Sommer die größten Chancen auf zahlreiche Zuschauer. Liefert der Film dazu noch etwas Action und Erotik für den Mann und viel Herzschmerz und optische Leckerbissen für die Frau, steht dem Film in punkto Erfolg nichts im Wege. Sollte man meinen.

Hier heißen die Protagonisten Mangold (Regie), Diaz (weibliche Hauptrolle) und Cruise (männliche Hauptrolle). Drei Namen, die auch für erfolgreiche Kinounterhaltung stehen. Doch hier haben wir es mit einem sauber durchkonstruierten Beispiel zu tun, das eindrucksvoll unter Beweis stellt: Große Namen versprechen keinen großen Film.

Bereits mit der ersten Blende tritt der männliche Held ins Bild. Kein obligatorischer Flug über die Location, keine Kamerafahrt durch die Straßen. Auf geht´s, direkt in´s Geschehen. In einer Abflughalle eines Flughafens schaut sich unser Held eine dem Publikum bestens bekannte Blondine aus, Cameron Diaz. Namen spielen (noch) keine Rolle. Er rempelt sie an, einmal und zweimal. Die Auflösung dieser Tat gibt es erst sehr viel später. Doch es wird noch rätselhafter. Cameron Diaz, die sich später als June Havens vorstellt, und natürlich sehr angetan ist vom mysteriösen Fremden, will in ein Flugzeug steigen, in das sie wegen angeblicher Überbuchung zunächst nicht und dann doch darf. Sie ist auf dem Weg zur Hochzeit ihrer Schwester April (!). Immer an ihrer Seite – unser Womanizer, der, so viel erfahren wir später, Roy Miller heißt (jedoch erst einmal anders) und keine Gelegenheit auslässt, um mit der schönen Blonden anzubändeln. So weit so spannend.

Einige Flirtereien und einen Toilettengang später sind die wenigen Insassen einschl. des Personals der Maschine tot. Umgebracht in einer Art Super-Martial-Arts-Held-Manier. Vom selbigen wird die Maschine sicher auf einem Highway gelandet und seine frisch auserwählte Blondine mit K.O.-Tropfen sanft in den Schlaf verabschiedet. Schnitt.

Der Zuschauer fragt sich: Wohin wird die Reise der beiden gehen? Und man merkt schnell: „Knight & Day“ will alles sein: Mysteriöser Thriller, Romantisches Roadmovie, ActionRomCom, Jäger & Gejagte, inklusive Südseeinselromantik und mysteriösem Fremden. Wer spielt was und vor allem welche Rolle? Aus dem mysteriösen Überbau destilliert sich rasch die romantische Action-Komödie heraus, als die sich der Film versucht. Hier der Überheld, dort die verzückte Blondine. Scientology-Vorzeigeheld und Schirrmacher-Freund Tom Cruise spielt seinen mysteriösen Agenten aus dem Handgelenk. Vorzeige-Blondine Diaz bleibt die verzückte Statisten-Rolle. Zusammen agieren sie vor dieser Geschichte, die aus den 60ern stammen könnte, nach ihrem gemeinsamen Auftritt in „Vanilla Sky“ wieder einmal überzeugend. Doch irgendetwas fehlt. Ist es die Leichtigkeit einer Screwball-Komödie, die eine so gewagte Genre-Mixtur gut brauchen könnte? Ist es die Überspitzung, die an allen Ecken und Enden fehlt? Es ist wohl von allem etwas. Aber von einem zu viel: Ernsthaftigkeit. Der Film unter der ideenarmen Führung von James Mangold („Walk the Line“) nimmt sich so ernst, dass es hin und wieder unfreiwillig komisch wirkt.

Immer wenn es brenzlig wird, sorgen die K.O.-Tropfen des Überhelden für eine enervierende Erholungspause. Genau dann, wenn sie nicht gebraucht wird. Hier wird nichts zu Ende er- oder auserzählt. Der Film gleicht einer wilden Achterbahnfahrt, die an den spannenden Stellen immer wieder zum Stillstand kommt. Dennoch geht es anschließend immer weiter und weiter. Um nicht ins völlig Belanglose abzudriften, hat sich das Drehbuchautorenteam Dana Fox und James Mangold eine geschlechterspezifische Wechselwirkung in Sachen aktiver Kampfkraft und passiv bewunderndem Augenaufschlag einfallen lassen: Der Mann als undurchsichtiger Held, während die sein Handeln und Können entsetzt-begeistert frohlockende Blondine gerne in Ohnmacht fällt. Gegen Ende hin emanzipiert sie sich als rückwärts schießendes Cowgirl auf dem Motorrad und mit einer plötzlich taffen aber insgesamt müden Schlusspointe. Doch dann ist der Zug längst abgefahren.



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INHALT

Die ganze Agenten- und Attentäterwelt ist hinter Roy Miller her, der sich vom CIA abgewendet und dem freien Markt geöffnet haben soll, um sein Vaterland und eine revolutionäre Technologie meistbietend zu verkaufen. Ist Roy wirklich ein skrupelloser Verräter oder sogar ein Mann des absoluten Vertrauens, muss sich auch June Havens fragen, die nach einem Flughafenflirt zufällig in Roys Sog gerät und ihm auf der Flucht über den halben Globus nicht mehr von der Seite weichen kann. Ob sie nun will oder nicht.
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