KRITIK

Knallhart

Knallhart
„Dieses Milieu gibt es in Neukölln, und der Film schildert es realistisch. Das findet auf den Straßen alles statt“, befand Heinz Buschkowsky spürbar beeindruckt im Interview mit einer Berliner Tageszeitung. Ein Lob, das aufhorchen lässt. Schließlich ist der Mann, der da aufgerufen war, Detlev Bucks jüngsten Film „Knallhart“ zu bewerten, kein professioneller Kino-Kritiker, sondern Bezirksbürgermeister des berüchtigten Problemkiezes, dessen Name längst zum Synonym für gescheiterte Multikulti-Ideale geworden ist. Arbeitslosigkeit, Verbrechen und Verwahrlosung prägen das Bild, das man sich vom schlagzeilenträchtigen Asozialen-Viertel Neukölln macht – und das in dieser Geschichte über einen verhängnisvollen Strudel der Jugendgewalt seine eindrucksvolle Bestätigung erfährt: Willkommen in der Bronx von Berlin.

Detlev Buck, der sechs Jahre nicht als Regisseur gearbeitet und davor die furchtbaren Schlüpferstürmer-Klamotten „Liebe deine Nächste“ und „LiebesLuder“ gedreht hat, zeigt sich hier unerwartet von seiner ernsten Seite. Entgegen seiner Gewohnheit verfilmt er kein eigenes Drehbuch, sondern ein Skript von Gregor Tessnow und Zoran Drvenkar, das, Realitätsgehalt hin oder her, unter die Haut geht. Der junge Michael Polischka (David Kross) zieht mit seiner überforderten Mutter Miriam (überraschend gut: Jenny Elvers-Elbertzhagen) von Zehlendorf nach Neukölln, nachdem der letzte Lover der allein erziehenden Anfangdreißigerin ihnen die Koffer vor die Villa-Tür gestellt hat. Es ist ein Abstieg in die Vorhölle. Schon am ersten Tag wird der Junge von einer türkischen Gang überfallen und um seine Turnschuhe gebracht. Auch gegen die Schutzgelderpressungen in der Schule ist Polischka machtlos. Im Bandenjargon nennt man Milchgesichter wie ihn bloß Opfer. Als Ausweg bleibt ihm nur, bei einem türkischen Dealer anzuheuern, der ihn unter seine Fittiche nimmt und auf spezielle Botengänge schickt. Doch eine Lösung für Michaels Probleme kann das nicht sein.

Buck inszeniert diese „Mean Streets“-Fabel aus dem Baseballschläger- und Brennpunkt-Milieu zurecht ohne Rücksicht auf Bedenken, er könne Vorurteile schüren. „Knallhart“ zeigt, wenngleich arg melodramatisch verdichtet, bestehende Probleme. Es ist die exemplarische Tour-de-Force eines Jungen, der in die Sackgasse gerät und sich schuldlos die Hände schmutzig macht – von Buck auf der Höhe seiner Kunst als farbentsättigter, brutal-spannender Asphalt-Krimi inszeniert. Der junge David Kross in der Hauptrolle ist dabei eine Wucht. Gebannt folgt man ihm bis zur Endstation seines tragischen Irrweges.



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INHALT

Michael Polischka kommt an seinem 15. Geburtstag mit seiner Mutter (Jenny Elvers-Elbertzhagen) in den rauen Berliner Bezirk Neukölln. Deren Liebhaber im schicken Zehlendorf hat sie rausgeschmissen, ab geht's in die neue schäbige Wohnung im Hinterhof. Während die Lady sich nach solventen Lovern umschaut und doch nur Loser aufs Laken schleppt, muss sich der Sohn gegen eine türkische Gang und deren skrupellosen Anführer wehren, sieht sich zu einem Einbruch gezwungen und ist schon bald als Drogenkurier dick im Geschäft.
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Eure Kritiken zu Knallhart

  1. Krause

    Auch dieser Detlev Buck Film ist wieder sehr gelungen…. etwas düsterer vielleicht als seine bisherigen Werke. Sehr sehenswert!

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