KRITIK

Kleine Tricks

Kleine Tricks Manchmal dauert es ein Weilchen, bis es Festival-Hits regulär in deutsche Kinos schaffen: „Kleine Tricks“ wurde schon vor zwei Jahren bei den Filmfestspielen von Venedig bejubelt und prämiert und danach auf zahlreichen anderen Festivals ausgezeichnet. Den Kinoeinsatz hat Andrzej Jakimows­kis polnische Sommergeschichte, in der nichts großartig Dramatisches geschieht, kein schlimmes Unheil und kein grelles Glück, auf jeden Fall redlich verdient.

Ein siebenjähriger Junge steht im Mittelpunkt: Stefek. Der blonde Knirps streift in den Sommerferien durch die ländliche Kleinstadt, spielt mit Zinnsoldaten und führt den Zuschauer durch die Art, wie er sich durch die Schauplätze bewegt, nach und nach in das Universum seiner Kindheit hinein, in dem alles seinen Platz hat: der Penner, die Mutter im Gemüseladen, die ältere Schwester Elka, die Größeres, wenn auch nicht Großes vorhat.

Fast wähnte man sich in einem zeitlich entrückten, idyllischen Paralleluniversum, gäbe es nicht doch Wunden zu heilen: Der Vater der Geschwister ist vor Jahren in die Stadt entfleucht, und ob der smarte Pendler, den Stefek so oft am Bahnhof sieht, eben dieser Vater sein könnte, ist die Frage. Stefek jedenfalls ist davon überzeugt, und durch „kleine Tricks“ und gezielte Lenkung will er den Fremden in die Familie (zurück-)holen. Glück, so hofft er, muss man doch selbst schmieden können dürfen.

Ewelina Walendziak als Elka und Damian Ul als Stefek, beides Debütanten, sind eine wahre Wucht, aber auch Jakimowskis geschmeidige Inszenierung, die eine sehr bewegte Kamera souverän mit kunstvoll kadrierten, ruhigen Einstellungen kontrastiert, beeindruckt vom ersten Bild an. Mit den „Kleinen Tricks“ ist ihm 2007 der wohl sympathischste Sommerfilm gelungen, den es in der Saison 2009 zu sehen gibt.



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INHALT

Stefek ist ein aufgeweckter Junge von sieben Jahren in einer ländlichen Stadt. Seine Schwester Elka ist achtzehn und kümmert sich um ihn. Ihr Vater hat sich aus dem Staub gemacht, die Mutter arbeitet den ganzen Tag in einem kleinen Laden. Stefek verbringt seine Zeit mit Elka und ihrem Freund Jerzy, einem Automechaniker. Sie verrät ihm alle Kniffe, wie man das Schicksal besticht. Stefek lernt im Handumdrehen. Das ist der Auftakt zu einem riskanteren Projekt, bei dem eine Menge auf dem Spiel steht. Denn Stefek sucht seinen Vater.
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