KRITIK

Klavierspielerin, Die

Klavierspielerin, Die Elfriede Jelineks Roman von 1983 wird von Michael Haneke kongenial verfilmt. Kein netter Kinofilm, sondern eine kühle, provozierende Sicht auf das Wiener Bürgertum, das nicht nur alle Facetten der klassischen Musik, sondern auch der Freudschen Werke durchbuchstabiert.
Dieser Film kann nicht nur als Psychogramm einer selbst- und fremdzerrstörerischen Frau gesehen werden, sondern auch als Gesellschaftsallegorie. Hervorragend ist die schauspielerische Leistung Isabelle Hupperts, deren Minenspiel und Gestik das Zwanghafte der Klavierlehrerin ebenso ausdrücken kann, wie auch den Umschlag in sehnsuchtsvolle, „perverse“ Lust. Benoît Magimel weiß aber auch zu gefallen, obwohl seine Akzeptanz des sadomasochistischen Spieles kaum nachvollziehbar ist. Teilweise dauern die Szenen der Selbstzerstörung bis zur Schmerzgrenze lange, bis der Zuschauer durch „Profanes“ (- wie der Aufforderung zum Essen zu kommen) erlöst wird. Die gute Musikauswahl klassischer Werke wie auch die gute Besetzung der Nebenrollen helfen, nicht im Strudel der Hauptprotagonistin unterzugehen. Rainer Bach



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Felix Austria - autoagressives Wien! Hinter den gutbürgerlichen Fassaden und Institutionen der Stadt führt Erika Kohut, Dozentin am Wiener Konservatorium, ein Doppelleben.
Gleich zu Beginn beklagt ihre Mutter, bei der die Mitvierzigjährige wohnt, die Eigenheiten ihrer dekorierten Tochter. Denn neben ihrem Klavierspiel und ihrem autoritären Lehrstil am Institut hat Frau Professor besondere Wege, ihr Leben lustvoll zu gestalten: sie riecht an den Kleenextüchern von Peepshowkabinen, beobachtet fremde Paare beim Sex oder fügt sich mit Rasiermessern Verletzungen an der Vagina zu. Bei einem Hauskonzert wird Walter Klemmer auf sie aufmerksam, verliebt sich in die Frau und versucht in ihre Klavierklasse am Konservatorium aufgenommen zu werden. Zuerst fühlt sich die ältere Frau von der offenen Leidenschaft und Zuneigung des jungen Mannes bedrängt und wehrt seine Liebe ab, aber dann kommt auch Lust und Eifersucht in ihr hoch. Einer guten Schülerin, der er über ihr Lampenfieber hinweghilft, legt sie Glasscherben in die Manteltasche. Ganz Dozentin lässt sie ihrem jungen Liebhaber ihre Forderungen per Brief zukommen. Doch er kann seine Liebe und ihre masochistischen Bedürfnisse kaum zusammenbringen.
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Eure Kritiken zu Klavierspielerin, Die

  1. Stefan

    Puh, harte Kostdie Schauspieler sind sehr überzeugend, aber als diese Selbstzerstörungszene kam.. Puh.. Muss sowas ein?? Harte Kost, aber der Film wirkt nach, ein gutes Zeichen

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