KRITIK

Klang der Stille

Klang der Stille Einem Genie hat man sich mit Vorsicht zu nähern. Am besten durch die Hintertür. Zumindest scheint die respekttrunkene Regisseurin Agnieszka Holland sich das gedacht zu haben, denn um aus dem stürmischen Lebensherbst des Ludwig van Beethoven zu erzählen, wählt sie – beliebter Biografien-Kunstgriff – die historisch freie Halbtotale aus Freundessicht, die Perspektive einer Komponistin namens Anna Holtz, die als Kopistin des Maestros Noten ins Reine schreiben darf und darüber in ehrerbietige Verzückung gerät.

Fräulein Holtz also, von Diane Kruger als blässliche Muse gegeben, trifft den vertaubten Ludwig inmitten der Arbeit an der 9. Sinfonie und muss sich, kaum dass sie ihm schüchtern auf den Rücken getippt hat, geniegerecht zusammenstauchen lassen. Welcher echte Künstler braucht schon Manieren?

Ed Harris, der Beethoven wie eine ausgenüchterte Version seines Maler-Maniacs Pollock spielt, gibt sich alle Mühe, beseelt zu wirken, kann diesem Hofknicks von einem Film aber auch kein Feuer einhauchen. Da war gar Gary Oldman als Mondschein-Säufer in „Ludwig van B.“ überzeugender. Weil er kein Souvenier-Genie verkörpern musste, ummalt von Best-of-Musik. Welches Pathos-Potential birgt die 9. Sinfonie!

Doch hier wird ihre von Fräulein Holtz heimlich dirigierte Uraufführung inszeniert wie der Abend eines Kinderärzte-Orchesters.



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INHALT

1824 kommt Anna Holtz in Wien an und bemüht sich um eine Anstellung bei dem zu diesem Zeitpunkt bereits fast vollständig tauben Beethoven, dem sie seine achtlos hingeschmierten Noten lesbar auf Notenpapier kopieren will. Die junge Frau selbst hat Ambitionen, als Komponistin zu arbeiten, wofür sie von ihrem neuen Arbeitgeber verlacht wird. Doch Anna zeigt Durchhaltevermögen und sichert sich den Respekt Beethovens, dem sie bei der Vollendung der Neunten Sinfonie beisteht.
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