KRITIK

Kiss Kiss Bang Bang

Kiss Kiss Bang Bang
In der Hollywood-Hierarchie stehen Drehbuchautoren ungefähr auf einer Stufe mit Poststellen-Praktikanten. Klar, man braucht das Pack, ist aber auch nicht traurig, wenn es mit dem Scheck in der Hand durch den Lieferanteneingang verschwindet. Alle Jubeljahre einmal aber schießt ein Schreiber in den Himmel der Stars auf. Wie Joe Eszterhas, der „Basic Instinct“-Autor, der in seinen besten Zeiten vier Millionen für einen Story-Entwurf auf dem Bierdeckel kassierte und als versoffenes Wrack endete. Oder wie Shane Black, der mit 22 Jahren „Lethal Weapon“ verfasste, später eine Rekordsumme für „Last Boy Scout“ bekam und in der Versenkung verschwand. Wer schreibt, der bleibt – das gilt in Hollywood nicht.

Black aber meldet sich nun überraschend zurück. Sein jüngstes Skript zeugt von ungebrochenem Talent, und er hat es auch gleich selbst verfilmt. Sein Regiedebüt „Kiss Kiss Bang Bang“ ist eine wilde Neo-Noir-Mixtur, voll von Zynismus, wie ihn man ihn wohl nur in der Filmbranche erwerben kann, voll von Genrezitaten, die eine unverwüstliche Filmliebe verraten. Die mehrbödige Geschichte kreist um den kleinkriminellen Loser Harry (Robert Downey jr.), der auf der Flucht vor der Polizei in ein Casting platzt und unfreiwillig einen Part als Detektiv ergattert. Die Rolle behält er auch im Leben bei, als er seiner Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan) wiederbegegnet, die detektivischen Beistand benötigt. Aus Liebe spielt Harry die Schmierenkomödie und wird prompt in einen Mordfall verwickelt.

Die blut- und bleireiche Romanze ist Persiflage auf die Schwarze Serie, nimmt aber den Thrill brutal ernst. Ein furioser Zwitterfilm, getragen von einem wunderbar gebrochenen Downey, der das eigene Scheitern, auch als Stimme des Autors, ironisch aus dem Off kommentiert.



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INHALT

Harry und Harmony sind Jugendfreunde, die sich viele Jahre später in Hollywood wieder begegnen. Sie ist ein Starlet mit unerfüllten Träumen, er ein Dieb, den sie für einen Privatdetektiv hält. Ein echter Schnüffler ist Perry, den Harry als Recherche für seine ersten Probeaufnahmen begleitet. Doch als das Duo Zeuge eines Mordes wird, überstürzen sich die Ereignisse und häufen sich die Leichen.
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