KRITIK

King Arthur: Legend of the Sword

Bild (c) 2017 Warner Bros. Pictures Germany.

Mit seinem Debüt „Bube, Dame, König, grAS“ und dem Nachfolger „Snatch – Schweine und Diamanten“ wurde der Brite Guy Ritchie um die Jahrtausendwende als britisches Tarantino-Pendant gefeiert. Mit dem rasch erworbenen Glanz war es allerdings schnell wieder vorbei. Spätestens nach der Heirat mit Sängerin Madonna drängte sich das Private in den Vordergrund, während das Professionelle immer mehr im Hintergrund verschwand. Der Flop „Swept Away – Stürmische Liebe“ und ein paar verhalten aufgenommene Filme wie „Revolver“ und „RocknRolla“ reichten aus, um den als Regietalent geltenden Ritchie den Einstieg in die A-Liga der Regisseure zu verwehren.

Auch seine „Sherlock Holmes“-Variante wurde von selbsternannten Holmes-Puristen unfairerweise unter anderem wegen seines Action-Überbaus auseinandergenommen und an der massiv überbewerteten „Sherlock“-TV-Serie mit Benedict Cumberbatch gemessen. Dabei handelte es sich bei dem Robert Downey Jr.-Vehikel um eine clevere Mythen-Variation. Auch „King Arthur: Legend of the Sword“ hätte eine solche werden können, allerdings hat das Fantasy-Spektakel mit massiven Problemen zu kämpfen.

Worum geht´s? England im 5. Jahrhundert n. Chr.: Als kleiner Junge muss Königssohn Arthur mit ansehen, wie seine Mutter Igraine (Poppy Delvigne) und sein Vater Uther (Eric Bana) von einem Hexenmeister getötet werden. Arthur kann jedoch nach Londinium fliehen, wo er von den Damen eines Freudenhauses aufgenommen wird. Fortan muss er sich in den harten Straßen der mittelalterlichen Großstadt behaupten. Der junge Arthur spart akribisch jedes Geldstück, das er verdienen oder klauen kann. Er lernt Martial Arts Kampftechniken und Schwertkampf und etabliert sich irgendwann selbst als cleverer Geschäftsmann. Allerdings sollen sich bald wieder seine Wege mit seinem Onkel, dem aktuellen König (Jude Law, Photo) von England, kreuzen. Dieser weiß nicht, dass es sich bei Arthur um seinen lang verschollen Neffen handelt. Außerdem konzentriert sich König Vortigern darauf, das magische Schwert Excalibur, das aus dem Nichts wieder aufgetaucht war, aus einem Stein zu ziehen.

Letztendlich ist es keine Überraschung, dass nur Arthur als Königssohn dieser Aufgabe gewachsen ist. Allerdings landet er als Belohnungb auf dem Schafott – und nicht auf den Thron. Eine Handvoll Rebellen und ehemalige Uther-Mitstreiter (gespielt unter anderen von Djimon Hounsou und Aiden Gillan) kann ihn mithilfe einer mysteriösen Magierin (Astrid Bergès-Frisbey) befreien. Die Bande taucht zunächst unter und Arthur macht sich mit dem magischen Schwert vertraut, um den bösen Königsonkel zu besiegen. Allerdings muss er dafür erst einmal seine eigenen Dämonen bezwingen.

Die Artus-Legende wurde bereits von unzähligen Mythen und Sagen inspiriert und hat im Gegenzug wiederum unzählige andere Mythen und Sagen nach sich gezogen. Gerade deswegen war es nicht verwunderlich, dass viele Branchenkenner die Nase rümpften, als sich nun Guy Ritchie einer erneuten Verfilmung widmete. Zumal bereits die letzte unsägliche Adaption von Antoine Fuqua mit Clife Owen, Keira Knightley und Til Schweiger niemanden so wirklich interessieren wollte, auch wenn sie immerzu vorgab, die „wahre“ Geschichte des legendären Königs zu erzählen. Ritchie schwingt das Pendel in eine andere Richtung und packt seinen Artus-Ansatz ins Reich der Fabel- und Fantasywesen und nimmt sich jede Freiheit, die er sich nehmen möchte. Das ist im Grunde keine gänzlich falsche Vorgehensweise. Gerade weil es schon so viele Adaptionsversuche gab.

Aber weil heutzutage anscheinend kein Blockbuster noch ein eigenständiger Film sein darf und alles ab einem bestimmten Produktionsbudget in die Franchise-Maschinerie eingefügt werden muss, plante Ritchie auch hier bereits im Vorfeld mehrere Fortsetzungen. Vielleicht liegt es daran oder an extremen Kürzungen: Das Ergebnis ist ein großes, heilloses Durcheinander.

Szenenübergänge, die keinerlei Sinn ergeben, Themen und Motive, die eingeführt aber nicht zu Ende gedacht werden, manche Schlüsselfiguren werden irgendwann schlichtweg vergessen und tauchen gar nicht mehr auf. Die fragwürdigen CGI-Effekte sind zu vernachlässigen, denn jeder Effekt hat sich sowieso irgendwann wieder abgenutzt und überholt. Auch der Rest des Films kann, bis auf einen starken musikalischen Score von Daniel Pemberton („Codename: U.N.C.L.E.„, „Steve Jobs„), nicht gerade mitreißen.

Nur gelegentlich findet Ritchie zu seinen rhythmischen Stärken zurück, etwa wenn er die jungen Jahre des Arthur in etwa zweieinhalb Minuten komprimiert und dessen Reise bis zum Erwachsenendasein trotzdem noch überzeugend darlegen kann, ohne ein Wort zu verschwenden. Aber die ein oder andere Actionszene macht durchaus Spaß, auch wenn Ritchie in die leidliche Gewohnheit vieler Regisseure verfällt, die Kamera-Einstellungen zu verwackeln, die Kamera „am Mann“ mitlaufen zu lassen oder im „Rückspul-Effekt“ Fehler in der Handlung aufzuzeigen. Dies beißt sich aber mit dem 3D-Effekt, so dass der Zuschauer zwischendurch völlig die Orientierung verliert. Auch wenn der Film in den ersten zwei Akten unterhält, fliegt das Fantasydrama im letzten Drittel vollends aus der Bahn. Selbst das herrlich bunte Team, das Arthur um sich scharrt und zu den größten Stärken des Films zählt, muss im Finale dem tosendem Effektgewitter weichen.

Jude Law greift als Bösewicht wieder auf seinen gewohnt schmierigen Charme zurück, den er allerdings dieses Jahr schon in der Serie „The Young Pope“ besser und komplexer präsentierte. Charlie Hunnam kann zwar als dreckiger Straßenkämpfer mit frecher Schnauze weitestgehend überzeugen, hat aber generell mit einem Charisma-Problem zu kämpfen. Das Zusammenspiel mit dem Rest der Räuberbande macht gelegentlich Spaß und lässt Erinnerungen an eine andere britische Legende namens Robin Hood wach werden. Die einzige tragende Frauenfigur bleibt, wie so oft bei Ritchie, blass und auch die restliche Mannschaft ist größtenteils gesichtslos.

Guy Ritchies „King Arthur: Legend of the Sword“ hätte eine „dreckige“, abgefahrene Straßenkampf-Variante eines allseits bekannten Mythos werden können. Stattdessen kommt das Gefühl auf, dass viel auf dem Schneidetisch liegen geblieben ist oder für eine Fortsetzung aufgespart wird – beides keine Entschuldigung.

 

Kritikerspiegel King Arthur: Legend of the Sword



Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Stefan Turiak
Widescreen, mehrfilm.de
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
5.5/10 ★★★★★½☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 

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