AKTUELL IM KINO

Killer´s Bodyguard

Bild (c) 20th Century Fox Germany.

Der Profikiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) soll gegen den osteuropäischen Diktator Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) aussagen. Letzterer zeigt sich nicht nur für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen sondern auch für einen Genozid verantwortlich. Die Geheimagenten, die für die Sicherheit des Kronzeugen Darius sorgen sollen, werden auf dem Weg zum internationalen Gerichtshof in einen Hinterhalt gelockt. Nur die resolute Agentin Amelia Roussel (Elodie Young) und der Auftragskiller Kincaid selbst können überleben. Verzweifelt und ohne jeden Ausweg bittet Amelia ihren Ex-Freund Michael Bryce (Ryan Reynolds) um Hilfe. Dieser soll Darius möglichst unauffällig und lebendig zum Gericht bringen. Aber es kommt natürlich anders, Chaos und Zerstörung pflastern den Weg des ungleichen Paares – oder besser Zerstörung und dann Chaos: Michael und Darius kabbeln und schlagen sich, raufen sich wieder zusammen und ermorden jede Menge böse Buben, nur um sich danach wieder zu streiten und zu schlagen.

„Killer’s Bodyguard“, ein weiteres Buddy-Action-Movie, versucht wieder einmal die Gratwanderung zwischen Action und Comic, bekommt dazu aber gleichzeitig den Anstrich, unheimlich düster sein zu müssen, etwa wenn Frauen und Kinder bereits zu Beginn brutal erschossen werden. Diese Art einer ungewöhnlichen tonalen Schizophrenie zieht sich durch eine Inszenierung, die nie den stimmigen Gleichklang findet, ob nun düstere, schwarze Actionkomödie oder alberner Klamauk. Als Folge ist der Film eher moll als Dur, er wirkt unausgegoren, was auch die beiden Hauptdarsteller mit ihrem mehr oder weniger ausgeprägten Charme nicht wieder auffangen bzw. ins rechte Lot bringen können.

Ganz im Gegenteil, Regisseur Patrick Hughes und Drehbuchautor Tom O’Connor versuchen so etwas wie eine typische Buddy-Action-Komödiendynamik aufzubauen, scheitern allerdings bereits an den wenig schlagfertigen Dialogen, die sie ihren Hauptprotagonisten in den Mund legen. Anscheinend fällt ihnen auch nicht mehr ein, als ihren Hauptfiguren, dem Profikiller und seinem Schützling, möglichst viele Schimpfworte in den Mund zu legen, was sich bei knapp zwei Stunden Laufzeit allzu schnell abnutzt. Auch Salma Hayek, die Darius Kincaids – bzw. Samuel L. Jacksons – Ehefrau spielt und größtenteils in einer Gefängniszelle sitzt, darf die meiste Zeit fluchen, was das Ganze allerdings auch nicht komischer macht.

Jackson und Reynolds müssen sich stets in die vermeintlich coolste Pose schmeißen und es ist überraschend, wie unbeholfen gerade Samuel L. Jackson dabei wirkt, was wiederum an dem mit schwachen Dialogen ausgestatteten Drehbuch liegt. Gary Oldman darf nach langer Zeit mal wieder einen nicht näher definierten osteuropäischen Akzent samt Bösewicht aus seiner inzwischen reichlich gefüllten Performance-Schatzkiste ausgraben und wirkt dabei eher wie ein alter, nervtötender Bekannter, weniger jedoch wie ein bedrohlicher Antagonist. Zusätzlich soll das Publikum den Rest Glaubwürdigkeit in eine Liebesbeziehung zwischen Ryan Reynolds und Elodie Young investieren, was ebenfalls misslingt, denn „Killer’s Bodyguard“ handelt auch diesen Aspekt auf möglichst uninteressante Weise ab.

Von den Hauptdarstellern über die filmtechnischen Aspekten bis hin zu der mageren Action, alles läuft hier auf Autopilot. Sogar der instrumentale Score von Komponist Atli Örvarsson, ein Element, welches in Actionfilmen generell wenig Bedeutung beigemessen wird, zeichnet sich hier durch nervtötende Beliebigkeit aus. „Killer’s Bodyguard“ ist nicht die schlechteste Buddy-Action-Komödie, die jemals gedreht wurde. Aber sie ist weit entfernt von einer Empfehlung. Die Action ist sogar recht stimmig geschnitten und kompetent inszeniert, so dass der Zuschauer immerhin nicht den Überblick verliert – leider ist die einfallsreichste Actionszene dann aber die verwackelste. Ansonsten zeichnen sich Drehbuch und Inszenierung von „Killer’s Bodyguard“ also vor allem durch Plattheit, Ambitionslosigkeit und Vorhersehbarkeit aus.

 

 

Merken



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Aktuell im Kino, Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*