KRITIK

Kill Bill Vol. 2

Kill Bill VolWeiß sie, dass ihre Tochter noch am Leben ist?“ Dieser verheißungsvolle Cliffhanger-Satz, mit dem Quentin Tarantinos „Kill Bill – Vol. 1“ im vergangenen Jahr ausklang, hallt noch immer nach, nun, da die Geschichte zu Ende erzählt werden soll. Die Braut, jener ätherische Racheengel mit dem blitzenden Samuraischwert, den Uma Thurman so traumtänzerisch verkörperte, war, wir erinnern uns, hochschwanger an ihrem Hochzeitstage niedergeschossen worden und erst nach vier Jahren aus dem Koma erwacht. Verraten von ihrem ehemaligen Geliebten Bill, einem raunenden Schattenmann, sowie seiner mörderischen Schlangenbande, dem „Deadly Viper Assassination Squad“, dem sie einst selbst angehörte. „Bang bang, my baby shot me down“, sang Nancy Sinatra im Vorspann.

Auf der schwarzen Liste der herzwunden Lady, die ihr Kind tot glaubte, sind bereits zwei Namen gestrichen. Zuletzt fiel die Yakuza-Königin O-Ren Ishii (Lucy Liu) dem gerechten Zorn der Braut zum Opfer – in einem bluttriefenden Schwertkampf-Ballett von bizarrer Schönheit. In der Fortsetzung ihres unermüdlichen Feldzuges nimmt sich die Braut nun den heruntergekommen Cowboy Budd (Michael Madsen) vor, der in einem alten Wohnwagen in der Wüste vegetiert und seinem Schicksal gelassen entgegensieht. Hernach die einäugige Giftschlange Elle Driver (Darryl Hannah), ein besonders gefährliches Biest, weil selbst von enttäuschter Liebe befeuert. Und schließlich, im überraschend familiären Showdown, stellt sie Bill (David Carradine), ihren Prince Charming, der ihr so gefährlich verführerisch entgegentritt, dass die Luft vor tödlich-erotischer Versprechen knistert. Da spätestens offenbart sich der Film als Lovestory und Tragödie, als Radikalromanze zweier verwandter schwarzer Seelen.

Der erste Teil dieses Rache-Epos, das trotz seiner Genrewanderungen insgesamt wie aus einem Guss wirkt, war in den Augen des Regisseurs Tarantino ein Eastern. Hier folgt der Western. Schon der Rückblick auf die Bluthochzeit, „The Wedding Chapel Massacre“ getauft, eine furiose Schwarzweiß-Komposition aus Posen und Blicken, belebt durch David Carradine als flötespielenden Schlangenbeschwörer, atmet den Geist von John Fords „The Searchers“. Quentin Tarantino, der Videoautodidakt, ist ein wandelndes Filmlexikon und ein besessener Trash-Apologet, bewandert im Western-Kanon wie in Martial-Arts-Fantasy. Deswegen hat er es seinen Kritikern immer leicht gemacht, in ihm nur den popmodernen und präpotenten Zampano zu sehen, der Vorbilder nachbetet. Und noch leichter seinen Epigonen, ihn auf die sarkastische Gewalt zu reduzieren. Man muss aber Tarantino, der hier erst seinen vierten Film vorgelegt hat, ernst nehmen, wenn er das Kino als seine Religion bezeichnet. Er inszeniert keine Zitate, er lebt sie. Und einmal mehr beweist er sich als großer Schauspielerregisseur. Die Begegnung zwischen seiner Muse Uma Thurmann und dem verknitterten David Carradine ist ein göttlicher Moment.



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INHALT

Der Blutdurst der Braut ist noch nicht gestillt. Vier Jahre zuvor hatten ihr ehemaliger Geliebter Bill und dessen Deadly Viper Assassination Squad am Tag ihrer Hochzeit ihren Verlobten, vermeintlich ihr ungeborenes Baby getötet und die Braut selbst sterbend zurückgelassen. Nachdem sie aus dem Koma erwacht war, hatte sie in Japan O-Ren Ishii und in einer kalifornischen Vorstadt Vernita Green im Duell ausgelöscht. Nun stehen noch drei weitere Namen auf der Todesliste der Braut: Bills heruntergekommener Bruder Budd und ihre ewige Rivalin Elle Driver müssen beseitigt werden, bevor sie sich Bill in dessen Unterschlupf in Mexiko vornehmen kann. Auf dem dornigen Weg wartet so manche Überraschung auf die Rächerin ... und die schockierende Erkenntnis, dass ihre Tochter am Leben ist und von Bill großgezogen wird ...
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Eure Kritiken zu Kill Bill Vol. 2

  1. Zed

    Den Film sollte man unbedingt im Double-Feature sehen, das rockt ungemein. Für mich schon jetzt einer der besten Filme des Jahres – reingehen.

  2. Diane

    Viel BlutFür mich gab es etwas zu viel Blut, aber die Rachegeschichte mit einer grandiosen Uma Thurman hat mich dennoche echt umgehauen. So etwas cooles schafft wohl nur ein Tarantino

  3. Waldemar

    Der Film ist ein Meisterwerk. Zusammen mit Teil 1 sollte man den Film im Doppelpack schauen.. Uma Thurman und Carradine – herausragend…

  4. Fee

    Uma, Uma, UmaUma Thurman ist einfach klasse.

  5. Black

    FünfpunktpressurherzexplosionstechnikSpitze. Jetzt verstehe ich die euphorischen Kritiken zum zweiten Teil. Uma Thurman und Daryl Hannah lassen sicher viele Männerherzen höher schlagen. Meins auch. Hautfetzen am Handknöchel. Lebendig begraben und doch nicht totzukriegen. Völlig behämmerte Killerinnen-Solidarität bei Schwangerschaft. Lächerliche Langbart-Gesten. Marmeladengläserdrinks. Fünfpunktpressurherzexplosionstechnik. Ein Hoch auf David Carradine. Allein die Musik des ersten Teils hat mir besser gefallen.

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