KRITIK

Kikujiros Sommer

Kikujiros Sommer Man möchte lachen, man möchte weinen, und das in ständiger Begleitung eines nicht zu bändigenden Schmunzelns.
Takeshi Kitano schafft mit seinem Werk „Kikujiros Sommer“ eine Hommage an den Slapstick-Stummfilm. Zwischen Poesie und Melancholie gelingt es ihm, eine naiv grandiose Inszenierung des kindlichen Spiels zu kreieren. Zurückhaltend leise durchzogen mit schlichtem Kitsch und „Angel Bells“, gibt sich das, was platziert in der japanischen Landschaft – von unterschiedlichen Menschen erzählt, die eines gemeinsam haben, zu erkennen. Die uneingeschränkte Sehnsucht nach Harmonie. Bunte Paradiesvögel und dröge Biker sind die Charaktere, die normalsterblich aber doch anders sind. Scheel grinsend tauchen sie dort auf, wo sie am wenigsten vermutet werden. Als Fische in Tümpeln oder Affen in Bäumen. Wer hätte gedacht, dass Takeshi Kitano als wortkarges cineastisches Raubein leichtfüßig komisch werden kann. Dass ein ungemütlicher, kaltschnäuziger Querkopf plötzlich kitschig schöne Gefühle auf die Leinwand zaubert.
Mit diesem leichtfüßig improvisierten Sommerabenteuer gibt sich Kitano als weiser Narr zu erkennen und schafft es trotz des mit leichter Hand inszenierten Road-Movies, seinem durch Sturheit überschatteten herzlichen Protagonisten treu zu bleiben. Den spielt er als Beat Kitano wie immer selbst und verleiht so dem vordergründig freudlosen Mürrischen ein lächelndes Herz.
Durch den fortwährenden Versuch der beiden Hauptdarsteller, sich zu arrangieren und ein gemeinsames Sommerabenteuer zu erleben, schafft Kitano ein unaufdringliches Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit. Vielleicht deswegen, weil der eigentliche Brutalo-Kultfilmer in seinem surrealistischen Meisterwerk eine (eigensinnige) Hommage an seinen Vater sieht. Jennifer Reker



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INHALT

Sommerferien. Alle Kinder fliegen aus. Nur Masao nicht – der Kleine steht verloren mitten im Grün des großen Fußballfeldes. „Masao es sind Ferien, geh spielen...“, der Kleine zieht das Kinn auf die Brust und trottet von dannen. Ohne Freunde, weil sie in die Ferien sind. Ohne Mutter, weil sie in der Ferne arbeitet, wie seine Oma sagt.
Masao macht sich auf in die Ferne, um seine Mutter zu finden. Dabei gewinnt er gezwungener Weise einen neuen Freund: Kikujiro. Der raubeinige, düster dreinblickende Taugenichts, immer auf der Suche nach dem schnellen Geld, bekommt von seiner Frau den Auftrag den unglücklichen Achtjährigen auf der Suche zu begleiten. Die abenteuerliche Reise eines ungleichen Paares beginnt im Wettstudio der Fahrradrennbahn. Das Reisegeld wird verprasst, die Reise zu organisieren immer schwieriger. Aber ein raubeiniger Taugenichts kann doch zu etwas taugen und sogar schmunzeln, das beweist Kikujiro - auch wenn dies ein bisschen Zeit braucht. Den Blinden, Clown oder Fisch mimend schafft er es, Mitfahrgelegenheiten zu vertreiben und Unschuldige zu verängstigen, irgendwann aber auch Masao zum Lachen zu bringen.
Am Ende der Reise kann Masao von seinen unglaublichen Erlebnissen berichten, und Kikujiro hat gelernt, dass uns Kinderspiele dabei helfen können zu erkennen, was im eigenen Leben falsch gelaufen ist ...
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Eure Kritiken zu Kikujiros Sommer

  1. Ky

    Takeshi´s HumorIch muss sagen das mich der Film sehr sehr amüsiert hat. Ich kam meist nicht mehr aus dem lachen raus und muss jetzt immer noch schmunzeln wenn ich an einige Szenen denke.
    Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich auf jeden Fall einmal anschaun!

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