KRITIK

Kick-Ass

Kick-Ass Seine einzige Superkraft, so konstatiert Dave Lizewski freimütig, sei für die Mädchen an seiner Schule unsichtbar zu sein. Er ist weder Sport-As noch Mathegenie, nicht einmal ein richtiger Nerd, auch wenn er entgegen seines Off-Kommentars schon ziemlich in diese Richtung neigt. Ein ziemlich durchschnittlicher Normalo aus der Vorstadt halt, der unter Filmfreunden schon bekannte Peter Parker könnte problemlos sein Nachbar sein.

Doch ohne Spinnenbiss wäre Peter Parker nicht zu Spider-Man geworden, Bruce Wayne ohne seine millionenschweren Gadgets nicht zu Batman. Dave Lizweski versucht`s dennoch, bestellt sich ein (lächerliches) Superheldenkostüm im Internetshop und schwingt sich als Kick-Ass zum Gerechtigkeitsbewahrer der Nachbarschaft auf – und bezieht erst einmal ordentlich Prügel.

Mit ironischem Blick auf das Superhelden-Universum von Marvel & Co. begleitet Matthew Vaughns dritter Spielfilm nach „Layer Cake“ und „Der Sternwanderer“ Daves Metamorphose vom linkischen Verlierer zum Schrecken der New Yorker Unterwelt aus der DSDS-Froschperspektive: Die Klickzahlen der YouTube-Videos seines verzweifelten Kampfs gegen eine Schlägerbande versichern ihm den Status eines mysteriösen Helden, verankern die mediale Selbstvergewisserung ins Repertoire der Superkräfte – wer tausende MySpace-Freunde hat, an dem muss was dran sein.

Ganz ohne Metaebene kommt die zweite Protagonistin von „Kick-Ass“ aus, die im Verlauf des Films immer mehr die Oberhand gewinnt: Die 11jährige Mindy, die von ihrem waffenfetischistischen Daddy mit schusssicheren Westen ausgestattet und im Nahkampf gedrillt wird, bis sie – von Daves Verwandlung inspiriert – zu Hit-Girl wird, einer Miniaturausgabe von Uma Thurmans The Bride aus „Kill Bill“. Und Matthew Vaughn gönnt ihr zum Showdown dann auch einen Tarantino-Moment, wenn sie in Zeitlupe zu Ennio Morricones „Dollar“-Musik die Wachen des Bösewichts aus dem Weg räumt.

Zu diesem Zeitpunkt hat die ironische Haltung des Films bereits längst vor den Gesetzmäßigkeiten des Genres kapituliert, die einen amtlichen Bodycount einfordern – und auf mitunter zynische Art und Weise auch bekommen. Von der anfänglich blitzsauberen Dekonstruktion des Superhelden-Kosmos bleibt nur wenig übrig außer stylisher Action und kenntnisreichen Zitaten. An ähnlichen Symptomen kranken Vaughns sämtliche Filme, die, wenngleich handwerklich perfekt, sich jeweils auch als Kommentar zu ihrer Gattung verstanden wissen wollen, aber sich letztlich nur als Fußnote ihres Genres gerieren – bei allem Unterhaltungswert doch too little too late. Dann lieber noch einmal die „Watchmen“-DVD einlegen.



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INHALT

Dave liebt Comics. So sehr, dass sich der Teenager selbst als Superheld versucht. Als Crimefighter "Kick-Ass" stellt er sich dem Bösen und bezahlt teuer. Obwohl er verwundet, verprügelt, angefahren wird, kämpft er weiter - ohne Kräfte, nur mit Courage. Als er plötzlich populär wird, wird er von echten Helden kontaktiert. Big Daddy und seine elfjährige Tochter, die Killermaschine Hit Girl, wollen den Terror von Gangsterboss Frankie beenden. Ein Plan, der Kick-Ass zeigen wird, wie brutal und blutig die Superhelden-Realität ist.
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