KRITIK

Kein Bund für´s Leben

Kein Bund für´s Leben Endlich wieder saufende Rekruten auf dem Panzer! Wie sehr sich das deutsche Mainstream-Kino derzeit in überwunden geglaubte Zustände zurückmetamorphisiert, ist auch in „Kein Bund fürs Leben“ anschaulich zu erleben. Hier reanimiert nämlich Granz Henman, Regisseur des fäkalwitzgetränkten Zotendesasters „Knallharte Jungs“ und deshalb einer der gefördertsten Geldbringer aus Bernd Eichingers „Constantin“-Stall, das Genre der Militärklamotte. Das wurde ja in Deutschland seit „Kompanie der Knallköppe“ mit Hansi Kraus und Ilja Richter nicht mehr nennenswert fortentwickelt.

Erstaunlicherweise sind es sonst für anspruchsvollere Kost bekannte Mimen, die hier als Rekruten durch den Grundwehrdienst stolpern: Franz Dinda („Die Wolke“), Florian Lukas („Keine Lieder über Liebe“) und Christian Sengewald („Die Zeit die bleibt“) zum Beispiel spielen die Jungs aus Stube 54, die sich erst als Trottel der Kompanie auszeichnen, die Bundeswehr als Hort der Lächerlichkeit zelebrieren, dann aber doch das entscheidende Manöver gegen die schneidigen GIs aus Amerika gewinnen und am Ende exakt so zackig übers Geländer marschieren, wie es Major Hauptmann sich schon immer gewünscht hatte: Finale Verlogenheit ist nun einmal Standardmerkmal aller Armee-Possen

Der Rest ist Flachwitz und Latrinenhumor, der allerdings (von etwas Urinregen und ein paar explodierten Toiletten mal abgesehen) diesmal keine neuen Maßstäbe für Fäkalscherzbebilderungen setzt: Anscheinend ist die Sättigungsgrenze erreicht, und man orientiert sich wieder am Kino von Peter Alexander, Peter Steiner und Rudi Carrell.

Fürs avisierte Publikum aus flaschenbierbetäubten Spätadoleszenten werden Frauen als sexsüchtige Schlampen und Schwule als giggelnde Psychopathen gezeichnet, bei den Jungs darf natürlich auch die fettige Witzvernichtungsmaschine Axel Stein als grunzender Berserker nicht fehlen. Komisch ist das nicht eine Sekunde lang, clever sowieso nicht, vielmehr unerträglich langweilig. Selbst die musikalische Schlussnummer versandet schon im Ansatz.

Insgesamt also unter den beängstigend zahlreichen verstandzersetzenden Filmversuchen dieses Sommers einer der ärgsten.



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INHALT

Abiturient Basti muss zur Musterung. Wie sein Leidensgenosse Schleifer, versucht er alles, um nicht zum Bund zu müssen. So verkauft ihm Schleifer den Urin seiner an Diabetes erkrankten Freundin. Gute Idee, doch leider ist diese auch noch schwanger. So fliegt der Schwindel auf, und beide treffen sich in der Kaserne wieder. Dort teilen sie ein Zimmer mit dem übergewichtigen, mundfaulen Ufo, dem Streber Zonk, Aristokratensöhnchen Justus und dem waffengeilen Macho Nefzat.

Basti hofft immer noch auf ein kurzes Bundeswehr-Gastspiel, hat er doch kurz vor der Einberufung noch schnell einen Antrag auf Verweigerung gestellt. Den aber hat sein WG-Mitbewohner Martin verschwinden lassen, um freie Bahn bei Bastis Freundin Valeska zu haben. So muss Basti wohl oder übel die Grundausbildung ertragen und sich mit seinen Stubenkameraden vom devoten Ausbilder Keller schikanieren lassen. Aber so richtig „hart“ bekommt der die Weicheier nicht. Ausgerechnet diese Gurkentruppe soll beim deutsch-amerikanischen Freundschaftsmanöver gegen muskelbepackte GIs antreten und dem gutmütig-zackigen Major Hauptmann seinen verwetteten Privat-Panzer retten.
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Eure Kritiken zu Kein Bund für´s Leben

  1. Christian

    Ich frage mich ernsthaft: Warum bekommt so ein Film eine Förderung? Weil Harte, resp. Knallharte Jungs im Kino so gut lief? Ich kann das nicht verstehen. Aber ich musste mir den Film anschauen und war entsetzt. Timing so gut wie nicht vorhanden. Dramaturgie hangelt sich entlang der uralt-Witze und die Schauspieler verkörpern Schablonen aber keine Charaktere. Ganz mies der Streifen, ganz mies. Bitte verschwendet euer Geld dafür nicht…

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