KRITIK

Kampf der Titanen 3-D

Kampf der Titanen 3-D Wenn ein Original derart viel Staub angesetzt hat, dass man damit niemanden mehr hinterm Ofen hervorholt, die Geschichte aber Potenzial besitzt, zumindest so viel, dass sie mit Recht einer neuen Generation zugänglich gemacht werden kann, kann eine Wiederauflage durchaus Sinn machen. Ein gewisses Maß an Respekt vor dem Original und zumindest der Versuch, der Geschichte Seele zu verleihen, sind dennoch wünschenswert.

Desmond Davis` Adaption der Perseus-Saga „Kampf der Titanen“ aus dem Jahr 1981 ist sicherlich kein epochales Meisterwerk im Transport archaischer griechischer Mythen. Dennoch kennzeichnen das Original ein solide inszenierter epischer Bogen, eine Inszenierung mit Liebe zum Detail und insgesamt eine homogene Stimmigkeit. Besonders die Stop-Motion-Animation, die dem Altgenius dieser Technik Ray Harryhausen zu verdanken ist, machten aus dem Film ein Werk, das mit Recht Einzug in die Filmchroniken fand. Heutzutage würden diese Spezialeffekte natürlich mehr als naiv erscheinen.

Im Jahre 2009 schickte man sich an, die Geschichte neu zu erzählen und ihr gleich auch ein ordentliches Facelift zu verpassen. Perseus (Sam Worthington) ist entschlossen, den Göttern eins auszuwischen: Einst dem Meer vom gehörnten König übergeben, der Perseus Mutter und Zeus beim Kuscheln ertappte und anschließend von einem Fischer gerettet, der ihn wie einen eigenen Sohn großzog, haben die Götter abermals sein Leben zerstört: Bei einer ihrer Vergeltungsaktionen, nachdem der Herrscher der Hafenstadt Argos veranlasste, eine riesige Zeusstatue zu zerstören, ging auch das Fischerboot von Perseus Familie unter – samt Adoptiveltern und kleiner Schwester.

Doch das ist nicht genug: droht Zeus (Liam Neeson), im Rockstar-Glitzerfummel, mittels seines Bruder Hades, im schwefligen Batman-Look (Ralph Fiennes), ganz Argos durch eine titanengleiche Kreatur, dem Kraken, zerstören zu lassen. Es sei denn, die Bewohner beschließen, ihm wieder zu huldigen, und bringen zum Beweis ihrer Unterwerfung ein Menschenopfer in der Gestalt Andromedas dar, der Tochter des Königs.

Das Einzige, was den Kraken vielleicht aufhalten könnte, ist ein anderer Titan – oder der genauer gesagt, sein Kopf. Also schickt Perseus sich an, das vipernumrankte Haupt der Medusa zu besorgen. Natürlich nicht alleine: Ihm zur Seite steht eine Schar Haudegen, die bei jeder Thermopylen-Schlacht eine ordentliche Figur abgegeben hätte.

Wie sich in diese illustre Truppe aber ein paar anatolisch anmutenden Typen einfügen, die ferne Assoziationen an die Drachentöter aus „Dragonheart“ wecken und ein paar Djinn, orientalische Hexer, die man sich vermutlich für den Director`s Cut der „300“ aufgehoben hatte, aber nicht mehr verwursten konnte, bleibt ein Rätsel. Dass der Regisseur Luis Letterier mit der Neuauflage neue Elemente hineinbringen würde, war zu erwarten. Leider beweist er nur, dass er auf die (Kultur-)Geschichte der Menschheit pfeift und verramscht alles zu einem Einheitsbrei.

Es war zwar keine mythologische Korrektheit bei der Umsetzung zu erwarten, aber Elemente aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen derart rücksichtslos zu verquirlen, gelingt sonst nur Roland Emmerich. Da fragt man sich, was wäre wohl passiert, wenn Perseus nicht gen Osten gezogen wäre, sondern nach Norden? Wären ihm dann womöglich Siegfried und Hagen von Tronje über den Weg gelaufen? Schlimmer noch aber, dass die Geschichte zu keiner Zeit wirklich zu fesseln vermag. CGI-Bildgewitter reihen sich aneinender, dazu gesellen sich reichliche Monsterkloppereien. An keiner Stelle gelingt es dem Zuschauer, einen emotionalen Zugang zu den Charakteren zu erlangen. Letztere leiern, gleich seelenlosen Haudraufs, ihr Programm samt Dialogen herunter, die selbst ein Sechsjähriger hätte fabrizieren können. Zur Krönung wurde der Film, um ihm dem aktuellen Ungeist anzupassen, noch mit heißer Nadel nachträglich zu einer 3D-Version umgestrickt. Diese Studioentscheidung schreit aber derart nach Abzocke, dass sich jeder Kinofreund veräppelt vorkommen muss.

Die Studiobosse von Warner scheinen der Meinung zu sein, dass das Publikum, dem Hype folgend, alles frisst, worauf das Etikett 3D prangt. Wenn man sich hier mal nicht verkalkuliert hat: Die 3D-Version vom Kampf der Titanen ist ohne Umschweife unterirdisch schlecht. Abgesehen davon, dass wegen der geringeren Lichtdurchlässigkeit der polarisierten Brillen alles ohnehin dunkler erscheint, saufen hier Szenen, die von sich aus schon düster sind, nun vollends in schwarzer Kontrastarmut ab. Zudem raubt die hastige Konvertierung dem Streifen meist jegliche Tiefenschärfe und verschmiert die Optik übers Erträgliche hinaus.

Platte Story ohne jeglichen Charme, maue Charaktere, eintöniges Gemetzel und eine miserable 3D-Umsetzung fügen dieses Remake in die lange Liste der Filme ein, die besser nicht das Licht der Welt erblickt hätten. Bleibt zu hoffen, dass die Studios wenigstens bei diesem hirnlosen 3D-Hype und all der Technikverliebtheit rasch die Bremse ziehen und damit beginnen, wieder gute Geschichten zu erzählen. Nichts gegen Effekt-Theater und Popcorn-Action, aber bitte mit etwas Liebe und Sachverstand inszeniert.



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INHALT

Weil die Menschen nicht mehr zu den Göttern beten, lässt sich Zeus von seinem Bruder Hades zu einer furchtbaren Strafaktion überreden. Wird das Königreich Argos nicht in 10 Tagen seine Prinzessin dem Ungeheuer Kraken opfern, droht die Zerstörung. Mit einer Handvoll Krieger bricht Perseus, menschlicher Sohn des Zeus, auf, um ein Mittel zur Vernichtung des Ungeheuers zu finden. Der Schlüssel liegt in den Augen der Medusa, die alles zu Stein verwandeln können. Aber auch in Perseus` Akzeptanz seiner göttlichen Herkunft.
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Eure Kritiken zu Kampf der Titanen 3-D

  1. Udo

    Abgesehen von den teilweise lachhaften Charakteren ist der Film nicht so schlecht wie befürchtet. Es stimmt, die teure 3-D Version kann man sich getrost schenken, aber wer auf Bombast-Kino steht, sollte sich durchaus dden Fiolm anschauen. Beste Unterhaltung!

  2. RobbyTobby

    Ach Du meine Güte! Mit Vorfreude auf ein lustiges Fantasy-Spektakel ging ich ins Kino und wurde bitter enttäuscht. Die Darsteller (Worthington und Co) geben sich große Mühe, damit dieses Desaster nicht zum Flop der Filmgeschichte wird, doch alles andere (Setdesign, Geschichte, Charaktere) sind so schlecht, dass ich mich richtig über die 7,60 Euro geärgert habe. Besser auslassen den Film.

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