KRITIK

Kammerflimmern

Kammerflimmern

Diese atemlose Blaulicht-Fahrt auf der Via Dolorosa erinnert ein wenig an Martin Scorseses Notturno „Bringing Out The Dead“, doch Debüt-Regisseur und Drehbuchautor Hendrik Hölzemann, der zuvor das Skript zu Benjamin Quabeks „Nichts bereuen“ verfasst hat, findet seinen eigenen Ton aus melodramatischem Fatalismus und schwarzem Humor. Er balanciert alltägliches Leid und morbide Überzeichnung oft innerhalb einer Szene staunenswert aus: Etwa, wenn Crash einer jungen Suizidgefährdeten auf dem Dach zuredet und sich dabei an seine Großmutter (Rosel Zech) zurückerinnert, die dem Kind beachtliche Weisheiten mit auf den Weg gegen hat: „Gott ist ein sadistisches Schwein. Immer wenn wir zu jemandem sagen, dass wir ihn lieb haben, dann nimmt er ihn uns weg, weil er da oben so verflucht einsam ist.“

Der bildgewaltige, speedbefeuerte Todestrip ist voll von solchen schmerzhaft-komischen Szenen und besticht nicht zuletzt durch den Mut zur pathetischen Wucht. Schweighöfer und Schwarz, sicherlich zwei der interessantesten Gesichter des deutschen Films, statten ihre entrückten Sehnsuchtsfiguren dabei mit der erforderlichen Erdenschwere aus, so dass sie inmitten eines bizarren Typenkabinetts, wo eine Notärztin (Bibiana Beglau) nur „Dr. Tod“ genannt wird, ein berührend zärtliches Paar bilden.



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INHALT

Crash, der als Kind seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat, ist als Rettungssanitäter in den Straßen von Köln unterwegs. Bei einem Einsatz trifft er auf die schwangere November, die exakt so aussieht wie das Mädchen aus seinen Träumen. Sie beginnen eine Affäre, und Crash findet endlich den Trost, den er immer ersehnt hat. Aber das Schicksal hat anderes im Sinn.
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Eure Kritiken zu Kammerflimmern

  1. Udo

    Also, Hut ab vor dieser Leistung, Herr Hölzemann. Das Drehbuch zu „Nichts bereuen“ war ja schon klasse, aber dieser Film ist verdammt sehenswert. Dass der Regissuer ein guter Schauspiel-Regisseur ist, zeigt seine Schauspiel-Führung mit den beiden Hauptdarstellern. Schweighöfer und zu meiner großen Überraschung auch Jessica Schwarz überzeugen hier auf der ganzen Linie und geben den Charakteren sehr viel Tiefe – sehr sehenswert.

  2. Dezember

    WowDem kann ich mich nur anschließen. Dieser Film hat wirklich eine enorme Intensität, Schweighöfer ist brillant und der Soundtrack absolut passend!

  3. Detlef74

    Cooles DuoMatthias Schweighöfer und Jessiva Schwaru sppielen superzusammen. Hier stimt die Chemie. Auch die Sex-Szene ist nicht schlecht, ein guter und ehrlicher Film..

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