KRITIK

Jurassic Park

Plakat_jurassic_parkAls Steven Spielberg 1991 die Rechte am Roman „Dino Park“ von Michael Crichton erwarb, bestand die Freundschaft zwischen dem Meisterregisseur Spielberg und dem promovierten Mediziner, Schriftsteller und Drehbuchautor Michael Crichton schon viele Jahre. Erst ein Jahr zuvor hatte Spielberg das Studio Warner Bros. überreden können, die Rechte an einem Drehbuch, in dem Crichton bereits 1974 Erfahrungen aus seiner ärztlichen Tätigkeit verarbeitet hatte, zu erwerben. Daraus wurde als „Emergency Room – Die Notaufnahme“ eine der erfolgreichsten Fernsehserien der TV-Geschichte. Aus diesem Grund hatte Spielberg vollstes Vertrauen, dass Crichton nach sechs überzeugenden Drehbüchern (u.a. „Westworld“, „Coma“, „Der große Eisenbahnraub“) auch das Drehbuch für seinen Film, den er später „Jurassic Park“ nannte, perfekt würde umsetzen können. Nur musste Spielberg seinen Freund überreden, einen zweiten Autoren (David Koepp) am Buch mitarbeiten zu lassen und den wissenschaftlichen Aspekt der Geschichte zu kürzen sowie das Ende des Romans, den Beschuss der Insel mit Napalm-Bomben, komplett zu streichen. Schließlich handele es sich doch um einen Film für die ganze Familie.

Genau aus diesem Grund wurden zahlreiche Szenen – ganz Spielberg-like – aus Kinder-Sicht neu erdacht. Und mehr noch, der Kern des zugrunde liegenden Romans, die Gefahr des Klonens fremden Erbgutes, musste einem Überlebenskampf weichen, der zusammen mit den (zur damaligen Zeit) atemberaubenden Animationen der Hauptdarsteller den Film bis heute zu einem der spannendsten Abenteuer der Filmgeschichte macht.

Dass die geklonten Dinosaurier zu Beginn der 90er Jahre die Zuschauer im Kino wirklich in Angst und Schrecken versetzten, hatte Spielberg in erster Linie einem cleveren Mix aus animierten Dinos, hydropneumatisch gesteuerten Dino-Körperteilen und einer zur damaligen Zeit revolutionären Green-Screen-Technik zu verdanken. Letztere hatte bereits andere Filme aus der Zeit, „Terminator 2“ oder „The Abyss“, auf eine neue Stufe des Kinoerlebens heben und damit mit dem Prädikat „Meisterwerk“ verzieren können.

Szene_Jurassic_Park_1Ich habe keine Kosten gescheut„, lässt Multimilliardär John Hammond (Richard Attenborough) im Film immer wieder gebetsmühlenartig verlauten. Und so, wie sich der Vergnügungspark-Experte mehrfach mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, über die Neuerschaffung der Dinosaurier Gott zu spielen, so spielte Spielberg mit „Jurassic Park“ natürlich auch Gott. Wenn auch nur den Gott des Kinos der 90er Jahre: Er erweckte die vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Urzeittiere mittels bis dato nie gesehener computergenerierter Spezialeffekte zum Leben. Und das bereits, ganz untypisch für Spielberg (siehe im Vergleich „Der weiße Hai“, „E.T. – Der Außerirdische“, „Indiana Jones“) in der ersten Szene.

Nach der kurzen Inthronisierung des ersten Dinos werden die rahmengebenden Personen vorgestellt: Dr. Alan Grant (Sam Neill als Indiana Jones-Duplikat) und Dr. Ellie Sattler (Laura Dern, ganz im Zeichen der Zeit selbstbewusst, belesen und doch mütterlich) sind leidenschaftliche Dinosaurierforscher. Ihnen ist nichts lieber, als in ihrer Ausgrabungsstätte nach neuen Fossilen zu graben. Deshalb sind beide auch mehr als überrascht, als John Hammond (Richard Attenborough) – der ihre Grabungen finanziert – plötzlich in ihrem Camp aufkreuzt. Der kleine, weißharige Rentner macht ihnen ein Angebot, dem sie später nicht widerstehen können: Nur kurz darauf steigen beide mit ihrem Sponsoren in einen Helikopter, der sie auf eine Insel 190 Kilometer westlich von Costa Rica fliegt. Auf die Insel Nublar.

Die beiden Dinosauerierforscher sind Teil eines insgesamt sechsköpfigen Teams, zusammen mit Hammond, einem Anwalt (als Vertreter der Geldgeber) sowie einem draufgängerischen Chaostheoretiker namens Ian Malcolm (Jeff Goldblum als Alter Ego von Michael Crichton), die einem neuartigen Park grünes Licht geben und Hürden abbauen sollen, sei es hinsichtlich der Skepsis über lebensfähige Dinosaurier oder die wissenschaftliche Standfestigkeit der These von neu erschaffenen, im Grunde beherrschbaren Millionen Jahre alten Urzeittieren. Zusammen mit den beiden Enkelkindern des Parkgründers Hammond darf das Team die allererste Rundfahrt durch den Park machen. Eine Tour, die jedoch in Folge eines Sabotageaktes durch einen gierigen IT-Spezialisten (Wayne Knight) alles andere als angenehm wird.

Szene_Jurassic_Park_2Diesen (eigentlich nicht sonderlich komplexen) Plot inszeniert Steven Spielberg so spannend, das er damit Maßstäbe setzte. Wenn Filme nur so gut sind wie die Szenen, die der Kinogänger noch lange im Kopf behält, sollte man nur zwei näher beschreiben: Zum einen gibt es eine unvergessene Szene, in der die beiden Enkel von Hammond allein in einem Auto zurückbleiben und von einem T-Tex überrascht werden, zum anderen sind es wenig später gefährliche Velocirapotoren, die in einer Großküche (siehe Bild) Jagd auf die Kinder machen. Spielberg und die jüngeren Zuschauer. Eine bis heute „Neverending, but very succesful story“. Somit ist auch „Jurassic Park“ eine nervenaufreibende, vor Unterhaltung, Vergnügen und Angst strotzende (Kino-)Vergnügungsreise für die der Meisterregisseur sogar einige ungewöhnliche dramaturgische Schnitzer und Absurditäten in Kauf nimmt.

Dennoch gewinnt dieser mittlerweile über 20 Jahre alte Dino-Hit im Kontext des gegenwärtigen Blockbuster-Kinos noch einmal einen ganz neuen Reiz. Denn er erinnert an ein Niveau, das zahlreiche Regisseure nach Spielberg nur ganz selten erreichten. Insofern muss im Nachhinein konstatiert werden, dass die größte technische Leistung von „Jurassic Park“ nicht darin bestand, die Hauptdarsteller, die Dinos perfekt (digital) zu inszenieren, sondern es der Umgang mit eben dieser Inszenierung ist: das Warten auf die Schauwerte, die schrittweise und doch nie ultimative Bestätigung aller perfekt animierten Attraktionen, das Wissen, wann und vor allem wie man es dem Publikum zeigen kann. Egal ob groß ob klein, ob jung oder alt. Selten hat ein Regisseur eine Jahrmarktattraktion spannender präsentiert. Kino, auch eine frühe Jahrmarktattraktion übrigens, in Perfektion.

 

 

 



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