KRITIK

Jungs bleiben Jungs

Jungs bleiben Jungs In Frankreich, soviel vorweg, hat dieser Film ziemlich unerwartet mehr als eine Million Besucher in die Kinos gelockt und, noch weitaus überraschender, wenn auch nur auf den ersten Blick, waren es nicht die jugendlichen Zuschauer, die diesen Erfolg sowie zahlreiche Preise ermöglicht haben, sondern das erwachsene Publikum. Die kritischen französischen Kinogänger haben hiermit eine Teeniekomödie goutiert, die mit der weitgehenden Verlogenheit des Genres bricht und eine, vor allem dann auch für die vermeintliche Zielgruppe, unbequeme Wahrheit offen ausspricht: die Pubertät ist verdammt Kacke.

Die Gesichter sind von Akne gepeinigt, die Frisuren und Klamotten hängen hoffnungslos zwischen Fremd- und Selbstbestimmung, das Rumgeknutsche, wenn es überhaupt soweit kommt, ist von erschreckender Unbeholfenheit. Es ist ein großes Drama, das hier zelebriert wird, und Regisseur und Autor Riad Sattouf benötigt dafür nur eine einzige Einstellung, um es in seiner ganzen Tragweite darzustellen. Die folgenden 90 Minuten sind lediglich Variationen dieses Themas, jedoch die Frische, Unbekümmertheit und eben auch Ehrlichkeit, mit der sie vorgetragen werden, sind in einem Genre, dessen Peinlichkeiten kaum noch zu überblicken sind, eine unerwartete Ausnahme. Dabei geht es fast ausschließlich um die Peinlichkeiten, die dieser schrecklich-schöne Zustand der Pubertät mit sich bringt, geradezu exemplarisch dargeboten von den beiden Vierzehnjährigen Hervé und Camel, zwei gewöhnlichen Losern in einem gewöhnlichen Umfeld, nur der Film ist eben alles andere als peinlich, sondern schmerzhaft fein beobachtet und gerade so klischeebeladen, wie er es verträgt, vor allem aber einem herrlichen Dialogwitz untergeordnet, der gleichermaßen entlarvend wie befreiend wirkt.

Die Vergleiche mit den „La Boum“-Filmen, mittlerweile die Grande Dame der französischen Teeniefilme, sind naheliegend, hinken aber an einer entscheidenden Stelle: „Les beaux gosses“ ist konsequent aus der Jungs-Perspektive erzählt – allein das kann den etwas plumpen, fast abschreckenden deutschen Titel rechtfertigen – und dementsprechend derber, in seiner Wortwahl, in seinen Methoden, dem anderen Geschlecht näherzukommen – und schließlich auch in der Triebbefriedigung, wenn es halt anderweitig nicht geklappt hat. Das anzuschauen, ist mit der nötigen Distanz zum Geschehen ein einziger Spaß, der zwar gegen Ende kurz in der Gefahr schwebt, sich totzulaufen, aber genau dann ist er – wie auch die Pubertät letztlich – zur rechten Zeit vorbei.



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INHALT

Hervé ist ein ganz gewöhnlicher Vierzehnjähriger, der von seiner Libido gebeutelt allein mit seiner aufreizend verständnisvollen Mutter lebt. Zusammen mit seinem besten Freund Camel hat er nur ein Ziel: endlich ein Mädel aufreissen! Doch alle ihre Annäherungsversuche scheitern schmählich - bis ausgerechnet Aurore, eine der Schönsten seiner Schule, Hervé mit ihrer Gunst beglückt. Hervé weiss fortan nicht mehr, wie ihm geschieht. Er wäre wie alle Jungs gern schon ein Mann, aber der Weg dahin ist mit exquisiten Peinlichkeiten gepflastert, grausam für ihn und unverschämt komisch für jeden, der es hinter sich gebracht hat...
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