KRITIK

Junge im gestreiften Pyjama, Der

Junge im gestreiften Pyjama, Der Zwei kleine Jungs, getrennt durch Stacheldraht. Der eine heißt Bruno und ist artig gekleidet, der andere aber, hinter dem Draht, ist verschmutzt und trägt etwas, das Bruno für einen „gestreiften Pyjama“ hält. Schmuel heißt er. Überhaupt trügen alle dort auf der anderen Seite des Stacheldrahtzauns hinter dem Haus Pyjamas, sei das nicht seltsam? Fragt Bruno.

Der Ansatz, den Holocaust aus naiv-kindlicher Perspektive zu beschreiben, ist zwar nicht ganz neu und erinnert in Teilen an Klassiker wie „Jakob der Lügner“, aber immer noch wirkungsvoll, wie der diesem Film zugrunde liegende (fiktive) Roman des Iren John Boyne beweist. Brunos Vater (David Thewlis) ist als SS-Offizier soeben zum KZ-Leiter befördert und dafür in die Provinz versetzt worden. Die Familie muss mit, doch Bruno weiss nichts über diese „spezielle Arbeit“ des Vaters. Mehr aus Langeweile beginnt er, mit dem zerzausten Kind aus dem Lager zu spielen, und am Ende gräbt er sich, fatalerweise, unter dem Zaun hindurch.

Regisseur Mark Herman, der bislang eher für britische Working-Class-Dramödien („Brassed Off“) bekannt war, baut hier ein weitgehend solides, angemessen dezentes und gut gespieltes Kinderdrama auf, das durch den naiven Blick auf das ungeheuerliche Geschehen reizvolle Kontraste entwickelt.

Was Herman allerdings geritten hat, die finale Zuspitzung um Todesgefahr und Rettungslauf wie im letzten Schmierenthriller als reißerische Parallelmontage zu servieren und sie unter dem Streicherkitsch des Komponisten James Horner zu begraben – das bleibt ungewiss. Dieser Schluss beschädigt den Film stark. Schade.



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INHALT

Als Bruno Anfang der Vierzigerjahre Berlin verlässt, verliert er seine Freunde. Am neuen Arbeitsort seines Vaters, ein Nazioffizier, ist er zunächst sehr allein. Bis er jenseits des Hauses und eines Waldstücks ein merkwürdiges Lager und hinter der Umzäunung einen gleichaltrigen jüdischen Jungen entdeckt. Warum alle hier, wie er glaubt, gestreifte Schlafanzüge tragen, versteht er genauso wenig wie das Verbot der Eltern, dieses Terrain zu betreten. Aus der Begegnung entwickelt sich Freundschaft, aus dem vermeintlichen Abenteuer eine Tragödie.
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