KRITIK

Jumanji: Willkommen im Dschungel

Plakat zum Film Jumanji mit allen Darstellern im Urwald-Outfit.

Bild (c) 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH.

Kann sich noch jemand an das 1995er „Jumanji“-Original mit dem mittlerweile verstorbenen Robin Williams und der noch jungen Kirsten Dunst erinnern? Vermutlich nur die wenigsten. Anders als bei den aktuellen Remakes („Flatliners“, „Spider-Man“ und Co.) basiert dieses weniger auf einem Highlight der Filmhistorie. Obwohl die Vorlage, das über 20 Jahre alte, gleichnamige Action-Abenteuer von Joe Johnston, damals über 250 Mio. Dollar weltweit eingespielt hatte. Die Kritiken dazu waren durchwachsen. Von einer “holpriger Story” oder “Nummernrevue” schrieb die Presse damals. Vielleicht gelingt es Jake Kasdan („Sex Tape„, „Bad Teacher“) und seiner geballten Starpower bestehend aus Dwayne Johnson, Kevin Hart, Jack Black und Karen Gillan und nicht zu vergessen Nick Jonas (Jonas Brothers) die Zuschauer zu mehr zu begeistern?

Die Teenager Martha (Morgan Turner), Bethany (Madison Iseman), Fridge (Ser’ Darius Blain) und Spencer (Alex Wolff) haben kaum etwas gemeinsam. Außer dass sie dieselbe Schule besuchen. Während Bethany Stunden damit verbringt, morgens das perfekte Instagram-Selfie zu produzieren, legt sich Martha mit der Sportlehrerin an, weil sie den Sportunterricht für unsinnig hält. Spencer macht dagegen artig die Hausaufgaben für den sportlichen Fridge und erhofft sich im Gegenzug die Freundschaft mit dem coolen und populären Footballspieler. Alle Vier geraten zeitgleich in der Schule in Schwierigkeiten und müssen nachsitzen. Als Strafaufgabe sollen sie alte Zeitschriften im Keller sortieren und stapeln. Auf der Suche nach einem Handynetz fällt ihnen ein altes Videospiel mit dem Namen „Jumanji“ in die Hände.

Szene aus dem Film Jumanji mit allen Hauptdarstellern im Urwald.„Jumanji“ ist kein normales Videospiel, wie sich schnell herausstellen soll. Denn die Jugendlichen werden in das Spiel förmlich “hineingesogen”. Das Besondere zudem: Ihre Videospiel-Avatare könnten sich kaum mehr von ihrem wahren Selbst unterscheiden. Der schmächtige Spencer wird zum Muskelprotz und Abenteurer (Dwayne Johnson). Der große Athlet Fridge verwandelt sich in einen kleinen, schwachen Zoologen (Kevin Hart), der einen riesigen Rucksack mit sich herumschleppen muss. Die Streberin Martha darf sich plötzlich als knapp bekleidete, aber schlagkräftige Amazone (Karen Gillan, die Nebula aus „Guardians of the Galaxy“) durch den Dschungel kämpfen. Und Bethany findet sich zu ihrem Entsetzen im Körper eines dicklichen Kartografen (Jack Black, „King Kong„) wieder. Gemeinsam müssen sie ihre Stärken einsetzen und ihre Schwächen als Team kompensieren, um an ihr Ziel zu gelangen: Und das lautet, dem Spiel zu entkommen, bevor sie ihre jeweils drei Leben aufgebraucht haben. Gut, dass ihnen Pilot Alex (Nick Jonas) dabei zur Seite steht.

Der Abenteuerfilm nutzt die Videospielwelt und ihre physikalischen Regeln für den einen oder anderen cleveren Einfall, etwa wenn die Protagnisten ihre Videospielleben opfern, um sich aus prekären Situationen zu retten. Die Besetzung ist ständig bemüht, den Teenager im Erwachsenenkörper zu verkaufen. Aber das gelingt nur bedingt. Kevin Hart ist generell ein etwas eingeschränkter Performer, der hier einmal mehr seine übliche (Comedy-)Routine abspult. Dwayne Johnsons Charme und sein übermächtiges Auftreten sorgen immerhin für ein paar Lacher, wenn er versucht die ungelenken Verhaltensweisen eines schüchternen und pubertierenden Jungen zu übernehmen.

Karen Gillan wird jedoch zu wenig Raum eingeräumt, zumal ihre unbeholfenen Flirtversuche, die als Ablenkungsmanöver für böse Antagonisten dienen sollen, noch mit zu den Highlights gehören. Jack Black gewährt Regisseur Jake Kasdan als Teenager-Mädchen im Körper von Jack Black noch am meisten Variabilität, zum Beispiel wenn er seine neu entdeckten männlichen Körperteile zum ersten Mal zum Austreten nutzen darf.

Szene aus dem Film Jumanji mit allen Hauptdarstellern im dunklen Urwald.„Jumanji: Willkommen im Dschungel“ bleibt in seinen komödiantischen Ambitionen dennoch relativ harmlos, gibt sich allerdings selbst für die angestrebte Zuschauerzielgruppe kaum Mühe, um darüber hinauszuwachsen. Das Drehbuch der sage und schreibe vier Drehbuchautoren (Chris McKenna, Erik Sommers, Scott Rosenberg, Jeff Pinkner) ist durchzogen von Glückskeksweisheiten: zum Beispiel, dass Jugendliche nur ein Leben haben und “das Beste daraus machen” müssen.
Am Ende wird jeder Protagonist im Film und damit auch jeder Zuschauer ganz eigene Lektionen aus dem Abenteuer mitnehmen. Wie diese lauten ist dem Drehbuch-Quartett und Regisseur Jake Kasdan dann aber relativ egal. Bei lediglich zwei Protagonisten ist am Ende so etwas wie ein Aha-Erlebnis erkennbar.

Der Inszenierung und der abgestandenen Action fehlt der Sinn für das Wundersame, die Besonderheit, von dem Kinderabenteuer normalerweise zehren können. Zu Vieles wirkt hier am Ende doch nur wie eine lieblos zusammengestellte Aneinanderreihung von Videospiel-Leveln, die niemanden wirklich verzaubern können oder möchten. Das Motto lautet vielmehr: Ausreichend reicht ja auch irgendwie.

 




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