KRITIK

John Carpenter´s The Ward

Filmplakat The WardZehn Jahre nach seinem letzten Film meldet sich ein wahrer Horror-Meisterregisseur zurück: John Carpenter. Der Veteran, der bei Klassikern wie „Halloween“, „The Fog“, „Die Klapperschlange“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „Christine“ und noch vielen weiteren Genrehighlights Regie geführt hat, wollte es noch einmal wissen. Dabei hat es der mittlerweile 63-jährige Regisseur gar nicht nötig, sich erneut beweisen – und wieder einmal ein weiteres Meisterwerk auf die Leinwand bringen zu müssen. Und wie er es auf dem Filmfest in Toronto selbst so treffend beschrieb („This film is an old school horror movie from an old school director“), ist „The Ward“ davon auch weit entfernt. Das heißt aber nicht, dass der Film keinen Spaß macht.

USA in den 50ern. Ein Haus brennt. Völlig verstört wird Kristen (Amber Heard), die Brandmerkmale an ihrer spärlichen Kleidung trägt, in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Szene aus dem Film The WardDie junge, desorientierte Frau kann sich an nichts erinnern. Hat sie das Haus in Brand gesteckt? In der im ländlichen amerikanischen Nordwesten gelegenen Anstalt versucht Dr. Stringer (Jared Harris) in einem speziellen Programm, Kristens psychische Barriere zu durchdringen und ihr, wie auch vier weiteren jungen Mitpatientinnen, zu helfen.

Doch Kristens mentaler Zustand scheint sich zu verschlechtern. Nachts, in den düsteren Gängen der vermeintlich sicheren Zuflucht, glaubt Kristen eine Erscheinung wahrzunehmen. Ein Phantom, das sie keine Ruhe finden lässt, in den Augen des Klinikpersonals aber nur in ihrer Einbildung existiert. Verzweifelt versucht Kristen, Erklärungen für das gespenstische Phänomen zu finden. Was sie entdeckt, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren. Um sich und andere retten zu können, bleibt nur die Flucht. Denn in der Klinik geht der Tod um und sorgt dafür, dass niemand sie je lebend verlässt …

Ich bin kein Freund von Horrorfilmen und weiß deshalb auch nicht allzu viel über die Handschrift des Regisseurs. Doch es fällt auf, das Carpenter kräftig in der Horrorhistorie gewildert hat. Sei es bei einigen J-Horror-Filmen („The Call“, „The Ring“) oder auch bei jüngeren Werken wie beispielsweise Zack Snyders „Sucker Punch“. Zudem wurden (die für einen Horrorfilm so wichtigen) Abteilungen wie Production- (Paul Peters) und Sound-Design (Javier Bennassar) mit horror-unerfahrenen Personen besetzt. Das lässt darauf schließen, dass der Altmeister das Beste aus einem mittelmäßigen Drehbuch (Michael+Shawn Rasmussen) herausholen durfte, das lediglich am Ende mit einem cleveren Twist und mit einigen durchaus netten Ideen überrascht.

Szene aus dem Film The WardImmer wieder blitzt auch in diesem sehr vorhersehbaren Genre-Film das Können des Regisseurs auf. Mit perfekt gesetzten Schockmomenten, ansprechenden Kamerapositionen und überzeugendem Setdesign ist der Film eine durchaus angenehme Überraschung. Auch die Schauspielführung überzeugt. Vor allem Amber Heard („Zombieland“, „Ananas-Express“) wandelt sicher auf dem schmalen Grat zwischen oscarreif und overacting. Da verzeihe ich dem Altmeister gerne die überflüssig lüsteren Duschszenen und die unnötig lange Deutung des Twists am Ende des Films. Zusammen mit den gekonnt eingesetzten Klängen von Mark Killian hat mir als Nicht-Horror-Fan der Film auf dem Filmfest in Oldenburg großen Spaß gemacht.

 



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