KRITIK

Jerry Cotton

Jerry Cotton Die inzwischen mehr als 850 Millionen verkauften Jerry Cotton Romane sprechen eine deutliche Sprache. Ja, Jerry Cotton ist neben Perry Rhodan und John Sinclair eine der erfolgreichsten Figuren in der deutschsprachigen Literatur. Obwohl der Inhalt der Heftchen aus dem Bastei-Verlag, übrigens seit 1954 auf dem Markt, alles andere als anspruchsvolle Literatur ist, sind die Jerry Cotton-Romane doch deutsches Kulturgut. Da ist es schon verwunderlich, dass der Protagonist beim FBI beschäftigt ist und am liebsten mit seinem englischen Jaguar E-Type durch die Straßenschluchten New Yorks fährt.

Sei´s drum. Die Verfilmung dieses deutschen Kulturguts schien unvermeidlich. Die Produzenten Christian Becker und Carl Woebken klopften dafür bei zwei Experten an die Tür, die schon mit ihrem „Neues vom Wixxer“-Film bewiesen haben, dass man deutsche (TV-)Kulturgüter durchaus erfolgreich parodieren kann. Cyrill Boss und Philipp Stennert wurden auserkoren, Hauptdarsteller Christian Tramitz als Jerry Cotton einen männeraffinen Stoff auf den Leib zu schreiben.

Männeraffin ist sie auch geworden, die Geschichte. Doch hat sie auch Humor? Und wo ist das Neue, das Andere, das Unvergleichliche? Nichts davon ist in der Geschichte über den omnitalentierten FBI-Agenten Jerry Cotton zu sehen. Christian Tramitz leiht dem coolen Groschenromanhelden sein durch-nichts-aus-der-todernsten-Fassung zu bringendes Gesicht, ein `cooler Hardliner mit Stil` wie Autor und Regisseur Philipp Stennert frohlockt. Tramitz setzt um, was verlangt wird. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Dabei verliert sich der Schauspieler weniger in Slapstickkapriolen als in Situationskomik. Die Geschichte bleibt über die 90 Minuten so altbacken und flach wie der Gesichtsausdruck des Titelhelden. Cool ist halt nicht gleich unterhaltsam.

Für die unterhaltsame Komponente sorgt denn auch ein ganz anderer: Ausgerechnet Typen-Darsteller Christian Ulmen sorgt für die wenigen Lacher, die so essentiell wichtig sind in einer Persiflage. Er entgegnet der gähnenden Langeweile und dem bemühten Flachwitz, die hier grassieren, durch eine besonders überzogene Tollpatsch-Performance, die für einige wenige Lacher gut ist. Neben ihm wirken seine Kolleginnen Christiane Paul und die jüngere Schwester von Penélope Cruz, Mónica, wie taffes aber belangloses Beiwerk.

Zwar legen sich die Darsteller ins Zeug und punkten durch ein cooles und selbstverliebtes Äußeres. – Ein genußvoll aufspielendes Ensemble und ein professioneller Look reichen jedoch bei Weitem nicht aus, um mit dieser wild zusammengeschusterten Persiflage mit halbgaren Versatzstücken aus dem Fundus des Kriminalfilms einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Da wird der Zuschauer schneller müde als der FBI-Held mit Schlafdefizit.



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INHALT

Der New Yorker FBI-Agent Jerry Cotton ist der Star seines Departments und eine Institution. Doch sein Erfolg hat viele Neider. Er läuft in eine Falle, woraufhin die Leiterin der Dienstaufsichtsbehörde, Daryl Zanuck, ihm einen Doppelmord vorwirft. Hat Jerry wirklich aus Rache Sammy Serrano erschossen, weil er dem Gangsterboss den States Union Goldraub nicht nachweisen konnte? Und hat er wirklich seinen eigenen Kollegen Ted Conroy ermordet, um den einzigen Zeugen zu beseitigen? Jerry wird gejagt, auch von seinem neuen Kollegen Phil Decker, der am Anfang noch so stolz war, an Cottons Seite ermitteln zu dürfen. Und was hat die hübsche Gangsterbraut Malena mit all dem zu tun? Für alle beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
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