KRITIK

Jerichow

Jerichow Jerichow mit W: eine kleine Stadt in Sachsen-Anhalt. Die biblische Assoziation einer verheerten Stadt schwingt von Anfang an mit in dieser Geschichte, in der die Gegend um Jerichow aus kaum mehr zu bestehen scheint als aus Getränkemärkten, Imbissbuden und Landschaft. Für „Jerichow“ variiert Regisseur Christian Petzold („Yella“) die altbekannte Story vom Postmann, der zweimal klingelt, geschrieben von James M. Cain, verfilmt von Visconti („Ossessione“) und später von Bob Rafelson mit Jack Nicholson in der Hauptrolle.

Petzold verlegt die Geschichte aus den amerikanischen Depressionsjahren der 1930er ins Heute der Pregnitz. Ein Kammerspiel: Benno Fürmann („Nordwand“) spielt einen unehrenhaft entlassenen Afghanistan-Kämpfer, der im Haus der toten Mutter neu anfangen will, doch gleich zu Beginn rauben ihm Gläubiger das letzte Geld.

Hilmi Sözer spielt – grandios! – einen reich gewordenen und (deshalb) misstrauischen türkischen Imbissbudenbesitzer, der den Ex-Soldaten als Fahrer anheuert. Und Nina Hoss, Petzolds Dauer-Muse, wirkt als Sözers Gattin erschreckend verhärmt: ein Beziehungsdreieck seelisch vergletscherter Menschen, bis zum tragisch scheiternden Mordkomplott organisiert über das Haben und Nichthaben von Geld.

Wie spannend Petzold hier, in seinem besten Film bislang, von Liebe und Tod erzählt und von Verhältnissen, die einzig durch Besitzverhältnisse bestimmt zu sein scheinen, wie er jeder Figur allmählich ihre Geschichte entlockt (und doch das meiste offen lässt) und ganz nebenbei das präzise Panorama einer Region nach dem Ende der Lohnarbeit entwirft, in klaren und direkten Bilderfolgen, das ist von Anfang bis Ende meisterlich und sucht im deutschen Kino seinesgleichen. Herausragend.



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INHALT

Nach dem Tod seiner Mutter ist Thomas in das Dorf Jerichow im Nordosten Deutschlands zurückgekehrt. Durch Zufall lernt Thomas Ali kennen. 45 Imbissbuden gehören ihm hier in der Gegend, er verpachtet und beliefert sie. Ali bietet Thomas einen Job als Fahrer und Assistent an. Laura ist Alis Frau. Thomas trifft sie, wenn er morgens und abends den Lieferwagen vor der tief im Wald versteckten Ziegelsteinvilla Alis vorfährt. Thomas schaut zu, sieht das gespannte Nebeneinander von Laura und Ali, die täglichen Verrichtungen, eine Gegenwart, die nicht recht vom Fleck kommt.
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