KRITIK

Jane’s Journey – Die Lebensreise…

Jane's Journey - Die Lebensreise... Ihr Leben – eine Reise, eine Lebensreise. Doch nicht der Weg ist ihr Ziel. Auch das Ziel selbst hat nur eine geringe Bedeutung. Die Verbreitung einer Botschaft ist Weg, Ansporn und Ziel zugleich. Ihre Botschaft heißt Hoffnung. Und wer ein Porträt über die Tierschützerin und Aktivistin Jane Goodall machen wollte, sollte nicht die Schönheit des Naturschutzgebietes in Tansania einfangen, in dem sie selbst ihr halbes Leben verbracht hat, der Filmemacher sollte diese eine Botschaft vermitteln, mit der die mehrfach ausgezeichnete Aktivistin 300 Tage im Jahr um die Welt reist: Hoffnung. Hoffnung auf Erhalt und Hoffnung auf Verbesserung.

Doch wie setzt man filmisch den Transport der Botschaft Hoffnung um? Abseits von pathetischen Pamphleten und industriell-finanzierten Werbefilmen a la „Home“ (Yann Arthus-Betrand, 2008) oder „Die 4. Revolution“ (Carl-A. Fechner, 2009)? Keinem Filmemacher hatte Jane Godall trotz zahlreicher Filmprojekte über ihre Arbeit in den letzten 50 Jahren ihr Vertrauen für eine Lebensbeichte schenken können. Über den Menschen Jane Goodall existiert deshalb zwar viel Buch- aber nur sehr wenig Filmmaterial. Es beschränkt sich auf selbst gedrehte Super-8-Filmaufnahmen, die auch in dieser Dokumentation zu sehen sind, oder Aufnahmen einiger Auszeichnungen oder von ihren zahlreichen Vorträgen.

Dem Münchner Filmemacher Lorenz Knauer und der NEOS Filmproduktion war es 2005 gelungen, eine vertrauensvolle Beziehung zu der mittlerweile 71-jährigen Tierschützerin aufzubauen. Filmemacher und Produzenten wussten, dass ihr Porträt streng genommen zwei Filme werden müssen. Zum einen ein inspirierendes, menschliches Porträt und zum anderen ein Appell mit mahnenden und gleichzeitig wunderschönen Aufnahmen. Drei Jahre begleitete der Mit-Fünfziger Lorenz Knauer die unstete Aktivistin, begleitete sie zu zahlreichen Vorträgen und Auszeichnungen. Er interviewte Familienangehörige, wie beispielsweise ihren Sohn, mit dem Jane Goodall über Jahre nicht gesprochen hatte und sogar Hollywoodstars wie Angelina Jolie oder Pierce Brosnan, die Jane Godall bei persönlichen Gesprächen kennen lernten.

Trotz der stetigen Nähe der Kamera, der musikalisch unterlegten Landschaftsaufnahmen, die manchmal am Rande des Postkarten-Kitsch kratzen und der teilweise allzu langen und tiefen Blicke in afrikanische Kinderaugen ist Lorenz Knauer ein beeindruckendes Porträt gelungen. Ein filmisches Porträt, das natürlich von der Präsenz und dem Charisma der Hauptdarstellerin lebt. Einer Grande Dame, einem Rockstar unter den Umweltaktivisten, wie sie im Film mal vorgestellt wird, die sehr persönlich und auch selbstkritisch über ihr Leben berichtet.

Lorenz Knauer belegt die persönlichen Erzählungen mit alten Filmaufnahmen, die fast paradiesische, einfühlsame Szenen von Mensch und Tier zeigen. Am Ende jedoch werden nicht diese, sondern die weniger paradiesischen Szenen haften bleiben. Die Szenen, die Jane Goodall bei ihren Besuchen in den Flüchtlingscamps und Reservaten zeigen. Hier wird die heute 75-jährige mit ihrem Stoff-Schimpansen, den sie stets bei sich trägt, Hoffnung verbreiten. Im Gegensatz zu den vielen Stars und Sternchen, Moderatoren und Möchtegern-Prominenten, die in 3.-Welt-Länder reisen und Hoffnung verbreiten wollen, wird man ihr das schwierige Unterfangen ernst- und letztendlich auch abnehmen. Und damit wäre Lorenz Knauer genau das gelungen, was Dr. Jane Goodall wollte: Nicht die Person steht im Vordergrund, sondern der Transport einer Botschaft. Und diese Botschaft heißt Hoffnung. Hoffnung auf Erhalt, Hoffnung auf Besserung und Hoffnung in unsere Jugend, es besser zu machen. Ein inspirierender, ein bewegender Film.



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INHALT

Jane Goodall folgte 1957 als 23-Jährige ihrem Kindheitstraum und ging nach Kenia und Tansania, um Schimpansen zu erforschen. Sie leistete Pionierarbeit und revolutionierte mit ihren Erkenntnissen die Wissenschaft. Sie lebte mit den Tieren im Dschungel. Nach zwei unglücklichen Ehen widmete sie sich ausschließlich ihrer Mission. Bis sie 1986 die Einsamkeit im Urwald gegen das rastloses Leben einer Aktivistin und Vortragsreisenden eintauschte, um die Lebensbedingungen aller Lebewesen zu verbessern. Außer ihrer Stiftung für Tierschutz rief sie mit "Roots & Shoots" ein Sozialprojekt ins Leben.
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